Safer Sex – Wer sich schützt, schützt auch andere

Seit nunmehr 30 Jahren ist die Botschaft zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten wie HIV fast unverändert: Sex nur mit Präservativ.

Aufeinandergelegte verpackte und unverpackte bunte Kondome.

Bildlegende: Kondome schützen. imago

Auch wenn heute jeder weiss, dass Kondome schützen, sind teils längst besiegt geglaubte Geschlechtskrankheiten wieder auf dem Vormarsch. Seit über elf Jahren belegt die Schweiz europaweit einen unrühmlichen Spitzenplatz bei den Neuansteckungen mit Syphilis, und auch Gonorrhö und Chlamydien sind auf dem Vormarsch.

«Ohne Gummi läuft nichts»

Wie wichtig der Gebrauch von Kondomen ist, predigt die Kinder- und Jugendgynäkologin Francesca Navratil ihren Patientinnen täglich. Sie betont, wie wichtig der doppelte Schutz ist: Pille und Kondom – letzteres auch beim Vaginal- und Analverkehr. Auch Stephan Lautenschlager, Spezialist für Geschlechtskrankheiten am Stadtspital Triemli in Zürich, betont die Wichtigkeit des Kondoms. Denn viele Leute würden zwar regelmässig einen HIV-Test machen, sind sich aber der anderen Risiken nicht mehr bewusst.

Gerade die bakteriell übertragbaren Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien lauern oft jahrelang im Körper, ohne Symptome zu verursachen. Ausserdem sind diese Krankheiten nicht nur bei Geschlechtsverkehr übertragbar, sondern auch beim Oralsex. Sperma und Menstruationsblut sollten nicht in den Mund gelangen. Stephan Lautenschlager fordert drum: «Auch risikohafter Oralverkehr nur mit Kondom!»

HIV

In der Schweiz leben rund 25'000 Menschen mit HIV. 2014 wurden in der Schweiz 519 neue HIV-Diagnosen gestellt. Unbehandelt verläuft die Infektion mit dem HI-Virus in drei Phasen: die Primoinfektionsphase, eine lange Latenzzeit ohne Symptome und Aids. Kurz nach der Infektion, zum Beispiel durch ungeschützten Sex, treten oft Symptome wie bei einer Erkältung oder einer leichten Grippe auf: Fieber, Hautausschlag, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Sie verschwinden jedoch oft von selbst wieder. Infizierte leben dann meist jahrelang beschwerdefrei, weil das Immunsystem gegen die Viren kämpft.

Irgendwann sind die Abwehrkräfte jedoch geschwächt, das zeigt sich in geschwollenen Lymphknoten, Hauterkrankungen, Nachtschweiss oder anderen Problemen.

Schliesslich folgt die dritte Phase, in der es dem Immunsystem nicht mehr gelingt, Krankheiten abzuwehren: Aids ist ausgebrochen. Das zeigt sich in Tumoren, Lungenentzündungen, Pilzbefall und vielen weiteren Krankheiten.

Mittlerweile gibt es gute Medikamente, die die Virenlast im Blut soweit senken können, dass sie nicht mehr nachweisbar ist. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Therapie möglichst schnell nach der Infektion beginnt. So wird das Immunsystem geschont. Die antiviralen Wirkstoffe verlängern das Leben deutlich, ganz nebenwirkungsfrei sind sie jedoch nicht.

Chlamydiosen (Chlamydiatrachomatis)

Chlamydien-Infektionen werden durch Bakterien verursacht. Die Erreger werden durch sexuellen Kontakt sowie während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen. Chlamydien-Infektionen treten immer öfter in Kombination mit Gonorrhö (Tripper) auf.

Die Infektion verläuft bei 70 Prozent der Frauen und bei 25 Prozent der Männer ohne besondere Begleiterscheinungen oder mit nur leichten Symptomen. Es ist möglich, dass nur ein Partner/Partnerin Symptome bemerkt, obschon beide infiziert sind.

Symptome bei der Frau:

  • ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide
  • Brennen beim Wasserlösen
  • Schmerzen im Unterleib
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • unregelmässige Blutungen
  • Juckreiz

Symptome beim Mann:

  • weisslicher Ausfluss
  • Schmerzen, Brennen beim Wasserlösen

Eine Chlamydien-Infektion kann durch einmalige Antibiotikagabe geheilt werden. Unbehandelte Infektionen können bei Frauen zu Unfruchtbarkeit oder in sehr seltenen Fällen auch zu Gewebevernarbungen an den Geschlechtsorganen und am Enddarm führen.

Präservative verringern das Risiko einer sexuellen Übertragung deutlich. Wird eine Chlamydia-Infektion festgestellt, soll man freiwillig den festen Partner/Partnerin wie auch Sexpartner informieren.

Goorrhö (Neisseriagonorrhoea)

Gonorrhö – landläufig als «Tripper» bekannt – wird durch Bakterien verursacht und leicht übertragen. Die Übertragung erfolgt durch ungeschützten oralen, vaginalen und analen Geschlechtsverkehr. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt zwischen zwei und fünf Tagen. Am Ort der Infektionen treten Entzündungen der Schleimhäute auf; je nach Sexualpraktiken kommt es auch zu Infektionen im Mund- oder Rachenraum sowie im Analbereich.

Symptome bei der Frau:

  • farbloser Ausfluss aus der Scheide
  • Entzündungen an den Schamlippen
  • Schmerzen beim Wasserlösen (Urinieren)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Symptome beim Mann:

  • milchiger, später eitriger Ausfluss aus der Harnröhre
  • schmerzhafte Schwellung der Eichel

Die Infektion kann über längere Zeit ohne besondere Begleiterscheinungen oder mit nur leichten Symptomen verlaufen. Gonorrhoe kann mit Antibiotika geheilt werden. Unbehandelt kann sie bei Frau und Mann zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen, bei Neugeborenen zur Erblindung.

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Wer sich schützt, schützt auch andere

6:22 min, aus Puls vom 28.3.2011

Präservative und das konsequente Einhalten der Safer-Sex-Regeln verringern das Risiko, sich mit Gonorrhoe zu infizieren, eine Übertragung kann aber dennoch erfolgen. Deshalb ist es wichtig, auf Symptome zu achten und sich bei vielen wechselnden Sexpartnern einmal jährlich auf Gonorrhoe testen zu lassen.

Syphilis (Treponemapallidum)

Syphilis (Lues) ist eine leicht übertragbare Infektion, die durch Bakterien verursacht wird. Die Übertragung kann bei ungeschütztem vaginalem, oralem und analem Geschlechtsverkehr erfolgen.

Unbehandelt verläuft Syphilis in vier Stadien. Im ersten und zweiten Stadium ist sie in der Schwangerschaft auf das Kind übertragbar und kann zur Fehlgeburt oder zu Schädigungen beim Kind führen.

  • 1. Stadium (primäre Syphilis): Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung erscheint an der Stelle, an der die Bakterien in die Haut oder Schleimhaut eingedrungen sind, ein schmerzloses, verhärtetes, hoch infektiöses Geschwür. Es verschwindet nach wenigen Wochen spontan wieder. Die Krankheit und deren Übertragbarkeit bleiben aber bestehen.
  • 2. Stadium (sekundäre Syphilis): Zwei bis drei Monate nach der Ansteckung treten grippeartige Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen auf. Die Lymphknoten am ganzen Körper sind geschwollen und lassen sich ertasten. Gleichzeitig treten im Bereich der Geschlechtsorgane und des Afters warzenähnlich wuchernde, nässende und hochinfektiöse Hautveränderungen auf und es bilden sich Geschwüre an den Schleimhäuten. In manchen Fällen kommt es zu fleckenförmigem Haarausfall und nicht juckendem Hautausschlag an verschiedenen Körperstellen, häufig an der Handinnenfläche oder an den Sohlen. Arterien, Hirn und Hirnhäute, Knochenhaut und Augen sind entzündet.
    Das zweite Stadium kann bis fünf Jahre andauern. Alle Symptome verschwinden aber in der Regel innerhalb von zwei Jahren nach der Infektion auch ohne Behandlung. Bei zirka 30 Prozent der Infizierten kommt es zu latenter Syphilis und zum 3. Stadium.
  • Latentes Stadium (latente Syphilis): Im latenten Stadium schreitet die Krankheit monate- bis jahrelang ohne Symptome voran. Sie führt insbesondere zu Schädigungen des Nervensystems. Dieses Latenzstadium wird unterteilt in ein frühes (<1 Jahr) und ein spätes Latenzstadium (>1 Jahr). Personen im frühen Latenzstadium können noch sporadisch auftretende Hautveränderungen von Haut und Schleimhaut aufweisen und sind dadurch potenziell noch ansteckend.
  • 3. Stadium (Spätsyphilis): Die Syphilis befällt innere Organe wie Herz, Gefässe und das Nervensystem. Es bilden sich Knoten, die überall am Körper, auf der Haut, in Organen, in Knochen, in Blutgefässen und im zentralen Nervensystem auftreten können. Es äussern sich psychiatrische Symptome.

Die Spätfolgen der Syphilis sind Herz- und Hauptschlagaderschädigungen sowie nicht rückgängig zu machende Schädigungen an Hirn und Rückenmark, die sich in Wesensveränderungen bis hin zur Demenz äussern.

Weltweit nehmen die Fälle von Syphiliserkrankungen zu. Dies betrifft vor allem die hochentwickelten Länder, so auch die Schweiz. Insbesondere homosexuelle Männer sind betroffen. In den ersten beiden Stadien ist Syphilis durch gezielten Einsatz von Antibiotika heilbar. Deshalb ist die rechtzeitige Diagnose von grösster Wichtigkeit. Spätfolgen der Syphilis können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Präservative und das konsequente Einhalten der Safer-Sex-Regeln verringern das Risiko, sich mit Syphilis zu infizieren, eine Übertragung kann aber dennoch erfolgen. Deshalb ist es wichtig, auf Symptome zu achten. Wer viele Sexpartner hat, soll sich einmal im Jahr auf Syphilis testen lassen.