Sportverletzungen – So werden lädierte Fussballer wieder fit

In der Schweiz verletzen sich jedes Jahr rund 45'000 Männer und Frauen beim Fussballspielen – so viele wie in keiner anderen Sportart. Um Hobby-Kicker und Profis so schnell wie möglich wieder aufs Feld zu bringen, behelfen sich die Sportmediziner mit diversen Hilfsmitteln.

Fussball ist ein dynamischer Mannschaftssport, der weitgehend ohne Protektoren gespielt wird. Von der Prellung über die Zerrung bis zur Fraktur: Im Schnitt zieht sich alle elf Minuten ein Fussballspieler oder eine Fussballspielerin in der Schweiz eine Verletzung zu. Zweikämpfe und Kopfballduelle, aber auch die kurzfristige Spitzenbelastungen, Bewegungswechsel, unebener Boden und schwierige Witterungsverhältnisse wie Kälte, Nässe oder Hitze erhöhen das Verletzungsrisiko markant.

Prellungen, Zerrungen, Bänderrisse...

Die häufigsten Verletzungen im direkten Kontakt mit anderen Spielern – Profis wie Amateuren – sind ganz allgemein Prellungen oder speziell am Kopf Platzwunden oder ein Nasenbruch.

Ohne direkten Kontakt kommt es durch die schnellen Tempowechsel am häufigsten zu Zerrungen oder Muskelfaserrissen. Aber auch Bänder-, Meniskus- oder Kreuzbandrisse sowie Frakturen in den oberen und unteren Körperbereichen kommen vor, wenn auch seltener.

Anders bei den Junioren: Bis etwa zwölf Jahre sind die einwirkenden Körperkräfte geringer, auch, weil die Jugendlichen noch nicht mit gleichem Körperkontakt spielen wie die Profis. Am häufigsten sind kleinere Prellungen. Gelegentlich kommt es auch zu einer Unterarmfraktur des Handgelenks, wenn ein Spieler versucht, sich beim Sturz mit dem Arm abzufangen. In der Regel erholen sich die jugendlichen Spieler aber schneller, weil ihre Knochen und Sehnen noch flexibler sind als im Erwachsenenalter.

Da kein Kicker gern freiwillig das Spielfeld verlässt, muss der Mannschafts-Arzt schnell entscheiden, ob die Verletzung schwerwiegend ist, etwa Muskel-, Knochen- oder Bänder verletzt sind. Handelt es sich lediglich um eine Prellung oder kleinere Platzwunden, kann der Arzt am Spielrand schnell eingreifen. Neben dem Nähen von Platzwunden oder der (seltenen) Abgabe von Schmerzmitteln kommen die folgenden Hilfsmittel am meisten zum Einsatz.

Blutstillende Pflaster

Immer dabei sind Gazetupfer mit blutstillender Watte, damit kleinere blutende Wunden versorgt werden können. Kleinere Riss-Quetsch-Wunden (2-3 cm) «bosticht» der Arzt mit einem sogenannten Stapler zusammen. Die Spieler brauchen aufgrund ihres Adrenalinschubs keine lokale Anästhesie.

Blutende Wunden während des Spieles müssen gestillt werden, das verlangt einerseits das Reglement, andererseits kann Blut den Spieler sehr verunsichern.

Eis- oder Kältespray

Bevor der Eisspray zur Anwendung kommt, versuchen die Ärzte, zuerst mit Eiswasser zu kühlen, weil dies weniger aggressiv kühlt. Die Nervenenden in der Haut werden durch die Kühlung betäubt. Sorgt für eine rasche und wirksame Kühlung der verletzten Körperstelle. Der Schmerz ist noch vorhanden, wird aber im Kopf nicht mehr als solcher wahrgenommen. Zu viel Eisspray kann die Haut schädigen und das Risiko steigt, dass sich der Spieler durch das Übermass an Betäubung erst richtig verletzt.

Leichte Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen lassen sich so behandeln. Eissprays enthalten flüchtige Kohlenwasserstoffe, etwa flüssige Gase wie Butan, Pentan oder Propan. Oft werden die drei Stoffe gemischt. Im medizinischen Bereich wird häufig auch Chlorethan eingesetzt. In der Regel erreichen sie Temperaturen von -25 bis -55 °C.

Beim Sprühen bildet sich eine starke Verdunstungskälte, die zahlreiche Prozesse verlangsamt. Entzündungsymptome wie Schmerzen, Rötungen und Erwärmung entstehen durch eine starke Durchblutung der Kapillaren. Mit Hilfe des Eissprays ziehen sich diese Blutgefässe zusammen, wodurch der Durchfluss des Blutes gebremst wird.

Darüber hinaus setzt die Kälte des Sprays die Leitgeschwindigkeit der Nerven herab, so dass schmerzauslösende Informationen über die Nervenbahnen nur verzögert übermittelt werden.Die verwendeten Gase haben jedoch keinen direkten Einfluss auf die Prellungen oder Entzündungen. Die Wirkung ist auch nur oberflächlich und zeitlich sehr begrenzt. Gegebenenfalls sind danach weitere Schritte zur Behandlung erforderlich.

Tape-Verband

Ein Viertel aller Sportverletzungen betrifft das Sprunggelenk. Umknicken und Bänderdehnungen sind bei Profi- wie Freizeitsportlern gleichermassen gefürchtet. Um gedehnte Bänder (Bänder und Dehnungen) ruhigzustellen, reichen oft schon Klebestreifen (Tapes) aus. Der funktionelle Verband schützt, stützt und entlastet selektiv gefährdete, geschädigte oder gestörte Anteile einer Funktionseinheit z.B. eines Gelenkes und verhindert extreme Bewegungen.

  • Vorteil: Der Verband lässt dem Gelenk Bewegungsfreiheit und die Muskeln bilden sich nicht zurück.
  • Nachteil: Ein Tape-Verband muss oft erneuert werden. Zur vorsorglichen Stabilisierung des Gelenks sollte er nämlich auch nach überstandener Verletzung beim Sport getragen werden.
  • Wichtig: Zur Abklärung auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen!

Medikamente

In einzelnen Fällen, beispielsweise bei einer schmerzhaften Knochenhautverletzung, kann der Arzt ausnahmsweise eine lokale Betäubung setzen. Trotz ihr muss der Spieler weiterhin Schmerzen spüren, damit er auf sie reagieren kann und sich nicht wegen Überlastung sekundär verletzt.

Ärzte raten dringend davon ab, Schmerz- und Rheumamittel prophylaktisch kurz vor einem Fussballturnier oder beispielsweise einem Marathon zu schlucken. Wenn unbedingt nötig, sollten sie eineinhalb Stunden vor dem Einsatz eingenommen werden. Diese Mittel sind sehr potent. Die Wirkstoffe können kurz vor einem Einsatz vom Magendarm-Trakt gar nicht mehr richtig aufgenommen werden und im schlimmsten Fall zu schweren Magengeschwüren führen.

Dasselbe gilt auch für Schmerzmittel während des Spieles. Im Notfall bei Kopfschmerzen hilft dann ein Schmerzmittel in flüssiger Form, das besser vom Magen resorbiert werden kann.

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