Unsafe Sex – Das Risiko feiert fröhlich mit

Seit 26 Jahren wird «Safer Sex» gepredigt. Die Botschaft verhallt inzwischen häufig ungehört, denn bei heissen Beats und coolen Drinks schwindet das Risikobewusstsein schnell.

Ungeschützter Sex ist ungesund! Seit 1987 ist diese Botschaft omnipräsent, denn der Bund wirbt Jahr für Jahr mit immer neuen Slogans und mehr oder minder provokativen Sujets für den Gebrauch von Kondomen und warnt vor den Folgen sexuell übertragbarer Krankheiten. Mit messbarem Erfolg: Die medial geschürte Angst vor HIV und Aids liess Herr und Frau Schweizer vorsichtiger werden, und griffige Sätze wie «bim Siitesprung en Gummi drum» brannten sich einer ganzen Generation ins Bewusstsein. Freie Liebe war einmal, jeder neue Sexualpartner galt als potenzieller Seuchenherd.

Ein Vierteljahrhundert später die ernüchternde Erkenntnis: Allen Aufklärungs-Bemühungen zum Trotz sind Geschlechtskrankheiten auf dem Vormarsch. 2012 waren nach drei Jahren mit sinkenden Zahlen erstmals wieder mehr HIV-Neuinfektionen zu verzeichnen. «Klassische» Krankheiten wie Chlamydien, Syphilis oder Tripper sind nicht nur nicht besiegt – sie breiten sich sogar heimlich, still und leise ständig weiter aus.

Wer hat noch Angst vor Aids?

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass HIV/Aids seine Schrecken verloren hat. Aus der tödlichen Lustseuche der 80er ist in der öffentlichen Wahrnehmung eine ordinäre chronische Krankheit geworden. Das einst unbesiegbar scheinende Killervirus lässt sich heute mit modernen Therapien kontrollieren und wirkt sich laut einer Schweizer Kohortenstudie kaum mehr auf die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen aus. Zumindest im wohlhabenden Teil der Welt.

Kommt hinzu, dass weite Kreise der Bevölkerung HIV als Randgruppenproblem wahrnehmen – «das betrifft doch nur Homosexuelle und Drogensüchtige» –, was dazu führt, dass man in der Hitze des Gefechts schon mal auf den Schutz beim Sex verzichtet.

Alkohol & Co. machen sorglos

Die neue Sorglosigkeit in den Schweizer Betten geht einher mit dem Aufkommen der Spassgesellschaft. Feierabend und Wochenende stehen im Zeichen von Party, Rave und Chillen. Erlaubt ist, was Spass macht – und dem Spass wird mit Alkohol und Drogen kräftig nachgeholfen. Eine brisante Mischung, denn Alkohol fördert Enthemmung und Selbstüberschätzung, schürt die Risikolust und ist einer der häufigsten Gründe für ungeschützten Geschlechtsverkehr. Psychoaktive Substanzen wie Ecstasy, Speed, LSD, Poppers oder Kokain haben ebenfalls ein hohes sexuelles Risikopotenzial – speziell bei hohen Dosierungen und/oder Mischkonsum.

Das Risiko in den Griff bekommen

Alkohol und Partydrogen können dazu führen, dass man sich im Rausch auf Sachen einlässt, die für einen sonst tabu sind. Wer sich diesem Risiko nicht auf Gedeih und Verderb aussetzen will, sollte die elementaren Safer-Sex-Regeln strikt einhalten und ausserdem folgende Punkte beherzigen (Quelle: «Rave it Safe»):

  • Konsumiert nur in gegenseitigem Einverständnis psychoaktive Substanzen zum Sex.
  • Besprecht vor dem Sex, welche Substanz und welche Dosis Ihr konsumieren wollt.
  • Klärt vorab, welche Sexpraktiken OK sind und welche tabu.
  • Vereinbart ein Stopp-Zeichen, um zu signalisieren, wenn es zu weit geht.
  • Konsumiere nie so, dass Du unfähig bist, Dich zu wehren oder dass Du die Abwehrsignale Deines Partners/Deiner Partnerin nicht mehr bemerkst.
  • Ecstasy, Speed, LSD und Kokain trocknen die Schleimhäute aus (Rissgefahr des Kondoms und erhöhtes HIV-Ansteckungsrisiko). Verwendet deshalb immer Kondome und Gleitcreme zusammen, beides sollte immer in Griffnähe sein.
  • Bei Analverkehr und länger andauerndem Sex ist es wichtig, das Kondom zu wechseln und Gleitcreme zu verwenden.

Safer-Sex-Regeln

  • Bei eindringendem Verkehr immer Präservative (oder ein Femidom) verwenden.
  • Kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken (kein Höhepunkt im Mund der Partnerin bzw. des Partners).
  • Kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken (kein Oralverkehr während der Periode).
  • Bei Juckreiz, Brennen oder Ausfluss zum Arzt/Ärztin gehen.