Wer hilft bei Suchtverdacht?

Ein neues Online-Angebot von «Sucht Schweiz» unterstützt suchtkranke Väter und Mütter in ihrer Rolle als Eltern. Ziel: Die Enttabuisierung des Themas Alkohol, damit Betroffene Hilfe suchen und auch finden können.

Junges Paar prostet sichtlich angeheitert der Kamera zu.

Bildlegende: Wenn man den Verdacht hat, dass der familiäre Umgang mit Alkohol ungesund ist, sollte man dies ansprechen. imago

Um die neue Website zu nutzen, braucht es zunächst die Einsicht, dass überhaupt ein Problem besteht. Wann also sollte man sich Sorgen machen?

«Frauen sollten nicht mehr als ein bis maximal zwei Glas Wein pro Tag trinken, Männer nicht mehr als zwei bis höchstens drei», gibt Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz, den Tarif durch. «Natürlich empfiehlt es sich, immer wieder Tage ohne Alkohol einzulegen.» Bereitet das Schwierigkeiten, sollte man sich definitiv Gedanken machen.

Häufig wird ein Alkoholproblem schon früher im engsten Umfeld bemerkt. Wie spricht man in diesem Fall seinen Partner/seine Partnerin am besten darauf an? «Wichtig ist, möglichst nicht mit Vorwürfen zu operieren», erklärt Abderhalden, «und auch nicht dem anderen vorschreiben zu wollen, was er nun zu tun hat.» Am besten rede man von sich selber und erkläre, was man beobachte und was einem derart Sorgen bereite. «Allerdings muss man durchaus damit rechnen, dass das Gegenüber keine Einsicht zeigt. Sehr häufig trifft man da auf eine starke Abwehrhaltung», warnt Abderhalden.

Kaschieren und ignorieren macht es nur schlimmer

Oft stellen sich Angehörige auch schützend vor die suchtkranke Person und tun alles, damit das Problem nicht gegen aussen sichtbar wird. «Es ist nicht gut, diese Verantwortung zu übernehmen», betont Abderhalden. «So schwer das zu akzeptieren ist: Man kann das Problem der geliebten Person nicht an ihrer Stelle lösen.»

Wann steht man einer Person überhaupt nahe genug, um sie auf ein mögliches Alkoholproblem anzusprechen? Ist es nur engen Angehörigen vorbehalten, diesen Schritt zu wagen? Die klare Antwort der Expertin: «Jede Person, die sich Sorgen um jemand Nahestehenden macht, soll das tun!» Macht man es nicht, um ihm oder ihr nicht zu nahe zu treten, trage das nur zur Tabuisierung des Problems bei – und letztlich zu seiner Aufrechterhaltung.

Kinder stecken in der Zwickmühle

Besonders schwierig wird es, wenn Kinder mit einem suchtkranken Elternteil aufwachsen. Wie sollen Grosseltern, Onkeln, Tanten, Paten mit dieser Situation umgehen? «Die haben eine ganz wichtige Funktion», betont Irene Abderhalden, weiss aber auch um die Schwierigkeiten, die sich aus der Konstellation ergeben: «Solche Kinder stehen vor dem Problem, dass sie ihrem Papi oder Mami gegenüber loyal sind und ihre Eltern schützen wollen.»

Über die Situation zu Hause Auskunft zu geben, käme einem Verrat gleich. Findet das Gespräch aber mit dem Einverständnis der Eltern statt, macht es dies dem Kind möglich, sein Schweigen zu brechen. Irene Abderhalden Empfehlung: «Als Gotti würde ich deshalb zunächst versuchen, mit dem suchtkranken Elternteil zu reden und vom ihm diese Erlaubnis zu erwirken.»