Luftiges Plastik statt juckendem Gips

Eine Schiene für gebrochene Knochen, die nicht mehr juckt und stinkt und erst noch wasserfest ist? Das könnte schon bald Realität sein: Das passgenaue, leichte und luftige Plastik-Gitter aus dem 3D-Drucker eines spanischen Herstellers macht dem altbewährten Gipsverband seine Stellung streitig.

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Plastik-Gitter statt Gips

0:32 min, aus Puls vom 12.9.2016

Seit knapp 165 Jahren wird der Gipsverband als zuverlässiges Heilmittel bei Knochenbrüchen angewendet. Nun soll dieser von einem Plastikgitter aus modernem 3D-Drucker abgelöst werden. Schon bald sollte es möglich sein, die Heilung der Knochen nach einem Bruch angenehmer für den Patienten zu gestalten.

Gleich mehrere Start-ups – allen voran das Team von Xkelet – arbeiten an einer Alternative zum Gips: Ein atmungsaktives, wasserfestes Plastik-Gitter. Gemäss Xkelet-CEO Jordi Tura Ceide arbeitet man im Moment am CE-Label. Geplant ist, das Plastik-Gitter 2017 auf den Markt zu bringen. Auf Nachfrage von «Puls» meint er schmunzelnd: «Auch in der Schweiz hoffe ich, dass schon bald Brüche damit behandelt werden können».

Mit knapp 500 Franken kostet so eine Handschiene fast das Dreifache eines normalen Gipses, ist aber im Gegensatz zum Gips wiederverwendbar. Vorerst sind die Schienen für die Hände bestimmt. Schienen für Füsse und Beine sind jedoch in Arbeit.

Besser zugänglich

Der aus dem 3D-Drucker stammende «Verband» hat eine Gitter-Form und wird individuell angepasst. Dies ermöglicht dem behandelnden Arzt, besser an die Verletzung heranzukommen und diese entsprechend zu versorgen und zu überwachen.

Zudem kann der Knochen auch mit Ultraschall stimuliert werden, um den Heilungsprozess entsprechend zu beschleunigen.

Der Plastik-Verband ist wesentlich leichter als Gips und ermöglicht zudem die Luftzirkulation. Das macht das Ganze auch angenehmer für den Patienten, denn die Haut beginnt dann nicht zu schwitzen und unangenehm zu jucken. Schwimmen und Duschen sind kein Problem mehr.

In Zukunft wird das gebrochene Körperteil zunächst mit einer App gescannt. Die hieraus gewonnenen Daten fliessen dann in einer speziellen Software zusammen, die wiederum ein passgenaues Modell des Gitters erstellt. Das Modell wird dann ausgedruckt. Ein aktueller 3D-Drucker benötigt dafür etwa drei Stunden.

Der 3D-Druck erfreut sich auch im medizinischen Bereich immer grösserer Beliebtheit. Auch künstliche Halswirbel und Knochen generell werden bereits gedruckt und auch verpflanzt. Mit der Zunahme der Anwendungsbereiche, dürften sich auch die Herstellungskosten in Zukunft relativieren.

Innovative Hersteller

Xkelet hat für seine Erfindung den Reddot Award erhalten. Auch andere Firmen tüfteln an solchen Plastikgittern. Wie zum Beispiel MediPrint in Mexico. Zaid Musa Badwan entwarf den NovaCast.

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