Mit Chemotherapie und Stammzellen gegen MS

Wer sich einer besonders wirksamen MS-Therapie unterziehen will, muss das auf eigene Kosten im Ausland machen. «Puls Spezial» geht der Frage nach, wieso sich die Behandlung hierzulande noch nicht etabliert hat und zeigt das Dilemma von Betroffenen, die nicht auf eine Klärung warten können.

Bei der Multiplen Sklerose greift das eigene Immunsystem im Gehirn die Nervenschicht an. Trotz immer besserer Medikamente kommt es bei einem Teil der meist jungen Patienten zu schweren Verläufen: Sie verlieren in kurzer Zeit immer mehr die Kontrolle über ihren Körper, können kaum mehr laufen und haben häufig weitere Beeinträchtigungen wie starke Dauermüdigkeit, Sehstörungen oder Verwirrtheit. Im Extremfall führt MS zu vollständiger Bettlägrigkeit.

Verfahren aus der Krebsbehandlung

Ein in der Krebsbehandlung erprobtes Verfahren kann diesen Prozess stoppen: Das Immunsystem der MS-Kranken wird via Chemotherapie zerstört und anschliessend mit vorgängig entnommenen körpereigenen Stammzellen wieder neu aufgebaut – eine Art «Neustart» des Abwehrsystems.

Das sogenannte HSCT-Verfahren wird seit 20 Jahren bei MS-Kranken angewendet. In den letzten Jahren zeigen verschiedene Studien aus mehreren Zentren eine deutlich höhere Wirksamkeit als selbst die teuersten Medikamente.

Widerstände in der Schweiz

Roland Martin, Professor für Neurologie am Universitätsspital Zürich, würde das Verfahren gerne auch in der Schweiz als Behandlungsoption anbieten, für Fälle von aggressiv verlaufender MS. Doch andere Neurologen halten die Methode nach wie vor für zu riskant und zu radikal. Auch fehle eine grosse Studie, die die Wirkung abschliessend belege.

«Puls Spezial» zeigt auf, wieso es die Stammzelltherapie trotz deutlicher Hinweise auf ihre hohe Wirksamkeit schwer hat, sich durchzusetzen. Der Expertenstreit, die fehlende Lobby und bürokratische Hindernisse sorgen dafür, dass Schweizer Betroffene schliesslich auf eigene Kosten ins Ausland ausweichen und sich zum Beispiel in Moskau behandeln lassen.

Hoffnung in Moskau

Am Pigorovspital wurden schon über 500 MS-Kranke behandelt. «Puls Spezial» zeigt, wie es einer 33-jährigen Informatikerin ein halbes Jahr nach der Stammzelltransplantation geht.

Ausserdem wird das Schicksal einer jungen Mutter beleuchtet, die nicht weiter auf eine Klärung in der Schweiz warten kann: Sie ist bereits auf den Rollstuhl angewiesen und fürchtet eine rasches Voranschreiten der MS. Nun hat sie sich in Moskau angemeldet.

Beiträge

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