Abschied nehmen vom geliebten Haustier

Sich von einem tierischen Lebensbegleiter verabschieden müssen, stellt die Besitzer vor eine harte Probe. Einen Ort zu haben, wo man das Tier begraben weiss, kann helfen.

Grabsteine auf einem Tierfriedhof.

Bildlegende: Hier liegen die Katzen Minka, Felix und Micha begraben. imago

Fast in jedem dritten Haushalt in der Schweiz lebt ein tierischer Mitbewohner – oft ist er viel mehr als nur das: Die meisten der 1,3 Millionen Katzen und gut 500'000 Hunde sind wohl eher echte Familienmitglieder.

Doch auch unter bester Pflege leben Haustiere nicht ewig. Was, wenn sie sterben? Üblicherweise landen die Tiere dann in einem Tierkrematorium oder der Kadaversammelstellen der Gemeinde – eine schon wegen des Begriffs wenig schöne Vorstellung. Andere begraben ihre Haustiere im Garten, so sie einen haben. Bis zu zehn Kilo Gewicht ist das erlaubt. Das Haustier im Wald zu beerdigen, ist dagegen verboten und wird mit erheblichen Bussen geahndet.

Tierfriedhof statt Kadaversammelstelle

Ein Tierfriedhof ist eine weitere Möglichkeit. Er kann den Trauernden helfen, den Verlust besser zu verschmerzen – ähnlich wie bei einem Menschen: Bei der Grabpflege, mit einem Grabschild können sie dem vierbeinigen Familienmitglied an einem festgelegten Ort nahe sein. In Paris hat man das schon lange erkannt: Schon seit über 100 Jahren gibt es dort Europas ältesten Tierfriedhof. Auch in Deutschland finden sich solche Einrichtungen.

Das nahmen sich vor gut 15 Jahren Marlies und Urs Mörgeli zum Vorbild und eröffneten in Läufelfingen BL den ersten Tierfriedhof auf Schweizer Boden. Mittlerweile haben dort rund 14'000 Tiere ihre letzte Ruhe gefunden. Rund 100 Beerdigungen gibt es pro Jahr – für 500 bis 1000 Franken pro Bestattung.

Wie am besten Abschied nehmen?

So sehr unterscheidet sich die Trauer um ein Tier nicht von der um einen Menschen – das hat auch das Ehepaar Hodel selbst erfahren müssen. Der Tod ihrer Hündin Chivas warf Kurt Hodel so aus der Bahn, dass er sich sogar frei nehmen musste. Das Herrichten des Grabs mit Muscheln, Pflanzen und einer Gedenktafel habe geholfen.

Mittlerweile liegt auch Kater Filou dort. «Wenn ich einmal sterbe, will ich auch hier begraben werden, weil es hier so friedlich ist», sagt Kurt Hodel. Das ist möglich: «In Zürich kann man auf einem Menschenfriedhof auch ein Tier ins Grab legen, es darf einfach von aussen nicht erkennbar sein. Wir haben das einfach umgekehrt: Man darf also von aussen nicht erkennen, dass da ein Mensch begraben ist», erklärt Marlies Mörgeli, Gründerin des baselländischen Tierfriedhofs.

«Umgehen können wir die Trauer nicht, wir können nur dafür sorgen, dass es glatt läuft», sagt Marlies Mörgeli. «Wichtig ist, dass man sich früh Gedanken macht, was man tut, wenn das Tier stirbt – genau wie auch beim Menschen.» Das Tier zum Tierarzt bringen oder noch daheim behandeln lassen, Kremierung oder Erdbestattung – all das sind Fragen, die Familien gemeinsam klären sollten. Marlies Mörgeli hat dabei schon viel erlebt. Eine Familien musste beispielsweise umziehen, weil sie sich in ihrer Wohnung, wo ihr Tier starb, nicht mehr wohl fühlte.

Den Tod sollte man auch vor Kindern nicht geheim halten. Rituale können helfen – beispielsweise dem Tier ein Bild, einen Brief oder sein Lieblingsspielzeug mit ins Grab zu geben. «Kinder gehen sehr gut damit um, wenn man sie lässt», hat Marlies Mörgeli erlebt.

Nicht nur Hunde und Katzen sind in Läufelfingen begraben – nun kommt das erste Schaf hinzu. Der Tierfriedhof ist nicht nur für die Trauernden ein tröstender Ort, er verbindet auch – manchmal im schönster aller Sinne: So hat bereits ein Liebespaar dank des Tierfriedhofs zusammengefunden, deren Vierbeiner in zwei nebeneinander liegenden Gräbern bestattet sind. «Tiere verbinden eben», lautet Marlies Mörgelis Fazit.