Die Frisur spricht Bände

Wie wir die Haare tragen, sagt einiges über uns und unser Seelenleben aus – meist unbewusst, aber manchmal auch mit voller Absicht.

Nirgends halten sich Rollenbilder so hartnäckig wie in unseren Haaren: Kurzhaarige Frauen sind intelligent und selbstbewusst, solche mit Flusenlook gelten als schlampig und unsportlich; langhaarige Blondinen sind erotisch, aber auch egoistisch. Ähnliche Vorurteile kennen auch die Herren der Schöpfung: langhaarig gleich eher ungepflegt, Glatze gleich maskulin – halblanger Mittelscheitel gleich netter Durchschnitt ohne besonderen Sexappeal.

Mit diesen Klischees lässt sich prächtig spielen, speziell in jungen Jahren. Experimente mit auffälligen Farben und wilden Schnitten weichen aber meist über kurz oder lang einer gemässigteren Frisur, die sich mehr oder minder an der aktuellen Mode orientiert. «Frauen äussern ihre Wünsche viel direkter als Männer und beziehen sich zum Beispiel gleich auf das Aussehen einer Schauspielerin in einem bestimmten Film», erzählt die Badener Coiffeurin Mirjam Knecht, die unter anderem seit Jahren das Erscheinungsbild von Ständerätin Pascale Bruderer mitprägt.

Wenn jemand aus ihrem Kundenkreis plötzlich einen völlig anderen Style wünscht, könne das ganz banal an der Jahreszeit liegen: «Im März/April spüren viele eine neue Energie und möchten den Winter hinter sich lassen – und lassen dafür Haare.» Oft ist es aber tatsächlich die viel beschworene Änderung in Leben, Job oder Beziehung, die sich im veränderten Aussehen zeigt. «So ein Schock macht mutiger für eine neue Frisur», weiss Knecht aus Erfahrung. Und wer plötzlich statt mit fülligen Locken mit einer Kurzhaarfrisur herumläuft, signalisiert damit ziemlich deutlich, dass etwas Einschneidendes passiert ist.

Was uns die Frisur verrät und ermöglicht, ist auch im «Ratgeber Psychologie» auf Radio SRF 1 mit Ratgeber-Psychologin Mariette Schmid thematisiert worden – nachzuhören im Audio oben.