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Psyche Erfolgreich, isoliert, lebensmüde

Innerhalb kurzer Zeit haben sich zwei führende Manager das Leben genommen. Warum finden Menschen, denen alle Wege offenstehen, keinen anderen Ausweg aus ihrer Krise?

Legende: Audio Radio SRF1, 29.08.2013: Managersuizid abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
4:16 min

Ganz oben auf der Karriereleiter angekommen, wird die Luft sehr dünn – und oftmals wird es auch sehr einsam. Topmanager sind einem enormen Druck ausgesetzt, verantworten immense Summen von Geldern und sind für die Existenz zahlloser Angestellter verantwortlich. Auch wenn in der allgemeinen Wahrnehmung das Bild des skrupellosen Managers vorherrscht – vielfach verbirgt sich hinter dieser Fassade ein Mensch, den die Verantwortung ebenso reizt wie belastet.

Das dürfte für Swisscom-Chef Carsten Schloter ebenso der Fall gewesen sein wie für Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier. Wenn dann, wie im Falle von Carsten Schloter, auch das Privatleben keinen Halt mehr gibt, wird es gerade für Menschen in hohen Management-Positionen eng, was Freunde oder Vertraute anbelangt, vor denen man sich die Blösse des Gefühls der Ausweglosigkeit geben kann.

In der Krise ist jeder Mensch einfach nur Mensch

Warum aber suchen sich Menschen, denen alle Mittel und Wege offenstehen, nicht nach anderen Lösungen als den Suizid – einen guten Therapeuten etwa oder einfach eine Auszeit, die sie sich finanziell ja leisten könnten?

«So eine dramatische Handlung ist immer emotional und völlig irrational. Von demher helfen hier auch Aspekte wie Intelligenz nicht weiter», erklärt Psychologe Rolf Heim. »Man muss das Leid dahinter sehen, und auf dieser Ebene ist jeder Mensch einfach nur Mensch. Und wenn er das Gefühl hat, er kann das Problem anders nicht lösen, dann greift er eben zu solchen drastischen Schritten.»

Auf Signale achten

Signale für einen solchen Schritt gibt es meist. Das Dramatische an ihnen: Man erkennt sie meist erst rückwirkend. Typisch sind ein emotionaler und sozialer Rückzug, eine gesteigerte Aggressivität und Nervosität, aber auch Äusserungen von Hoffnungslosigkeit.

Nicht zu unterschätzen ist auch der sogenannte Werther-Effekt. Weil der Mensch sich an seiner Umwelt orientiert und sich von ihr inspirieren lässt, können solche Taten tiefe Spuren bei anderen hinterlassen – je bekannter eine Person, desto mehr. Sollte der eigene Chef sich erkennbar verändern, ist es deshalb durchaus legitim, das auch anzusprechen, Wertschätzung auszudrücken und Unterstützung anzubieten – die eigene, aber auch die des Umfelds. Denn Suizid ist vor allem eines: eine sehr einsame Tat.

Werther-Effekt

Die Berichterstattung über Suizide kann weitere Suizide als Nachahmungstaten hervorrufen. Dies wird in der wissenschaftlichen Literatur als «Werther-Effekt» bezeichnet. Nach dem Erscheinen von Goethes «Die Leiden des jungen Werther» 1774 kam es in ganz Europa zu Selbsttötungen, die sich stark an der Romanvorlage orientierten.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Leittiere sind immer auch Einzelgänger, ihnen obliegt es, andere zu führen, nicht, geführt zu werden. In keiner Kulturform, tierisch oder menschlich, sind Leittiere dazu fähig, sich einfach wieder in ihre 'Gemeinschaft' zu reintegrieren, ihre (Alfa-) Programmierung sieht solches nicht vor, also können sie es auch nicht tun. Es ist die Konsequenz, einen Weg zu Ende zu gehen, die die hohe 'Qualität' solcher Individuen ausmacht, nicht die Gabe, sich anderen in Zeiten der Not 'offenbaren' zu können.
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