Gute Nachrichten haben Konjunktur

Eine alte Weisheit der Medienwelt besagt: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten – für die Quote. Dagegen stemmen sich inzwischen viele Medien und setzen bewusst auf gute Meldungen. Denn immer mehr Menschen haben die Nase voll von der ständigen Schwarzmalerei.

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Bildlegende: Die tägliche Flut an schlechten Nachrichten aus aller Welt steigert das Bedürfnis nach «Good News». imago

Gute Neuigkeiten, heile Welt: Plattformen, die sich bewusst nur auf gute Nachrichten ausrichten, boomen. Sebst renommierte Qualitätsmedien haben das Bedürfnis der Leser, Zuschauer und Zuhörer erkannt und bieten neben den alltäglichen Schreckensmeldungen auch positive News.

Denn dass schlechte Nachrichten die Mediennutzer bereits zum Frühstück überrollen, gehört mittlerweile zum Alltag: Entführungen, Vergewaltigungen, Kriege, Wirtschaftskrisen sind bereits abgehandelt, bevor der morgendliche Kaffee ausgetrunken ist. Das Problem: Viele Menschen sind nicht so abgestumpft, wie es scheint. Sie identifizieren sich mit den Opfern und deren schrecklichen Erlebnissen, nehmen Anteil und fühlen sich unweigerlich in die Betroffenen ein. Und entwickeln in der Folge selbst Ängste, Trauer und Wut. Häufen sich die Negativschlagzeilen, kann das bei diesen Menschen zu Veränderungen der Persönlichkeit führen und sogar Depressionen auslösen.

Gute Meldung als Antidepressivum

Da erstaunt es nicht, dass sich viele Menschen zum Ausgleich nach Aufmunterndem sehnen – als Antidepressivum sozusagen: Das erklärt den Erfolg von Geschichten wie zum Beispiel die über den Hund Dexter, der nach einer Beinamputation endlich wieder rennen kann. Oder über den durchschlagenden Erfolg einer Aufforstung durch Freiwillige in Turkmenistan.

Vorbilder für derlei Wohlfühl-Plattformen gibt es viele. Buzzfeed ist eine bekannte, aber auch der «Corriere della sera» hat mit «Buone Notizie» eine solche Plattform geschaffen. Die Schweiz ist mit «Happy Times» vertreten. Aus reiner Menschenliebe entstehen diese Angebote jedoch nicht. Sie sind vielmehr quotenorientiert und haben erkannt, dass sich mit positiven Meldungen Leser gewinnen lassen.

Das Problem: Konzentrieren sich auch etablierte Medien vor allem auf das, was Quote bringt, werden längere, informative, aber vielleicht weniger positive Inhalte über kurz oder lang durch kurze, unterhaltende Meldungen abgelöst. Rosa Brille statt relevanter Weltsicht – auch keine Lösung.

Wie immer wird der goldene Mittelweg die Lösung sein. Denn schlussendlich sind auch «Feel good»-Geschichten vor allem ein neues Geschäftsfeld – aber eines, das zum morgendlichen Kaffee gut tun kann.

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