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Psyche Kleiner Cowboy, grosser Waffennarr?

Kinder wollen Cowboys sein, Indianer, Polizisten: Mit Pistole, Pfeil und Bogen und allem, was dazu gehört. Meist ist das völlig unbedenklich.

Legende: Audio Das Ende der Spielzeugpistole? abspielen. Laufzeit 107:00 Minuten.
107 min, aus Treffpunkt vom 25.02.2014.

Kaum ein Kind spielt nie mit Waffen. Ist kein Schwert, keine Wasserpistole, kein Gewehr, kein Bogen verfügbar, werden kurzerhand Stöcke zu Schwertern erhoben, aus Legosteinen Gewehre gebastelt, wird der Gartenschlauch zur Pistole umfunktioniert. Kindergärtnerinnen beobachten so etwas ständig.

Wenn Kinder so kreativ an Waffen herangehen, beurteilt «Ratgeber»-Psychologe Markus Zimmermann das als unproblematischer als den Umgang mit einer täuschend echten Spielzeugwaffe – zumal die selbst gebastelten Waffen nichts können, was die Phantasie nicht vorgaukelt. Natürlich spüren schon Kinder, dass eine Waffe Macht bedeutet, bestätigt auch Markus Zimmermann. «Die Faszination daran ist: Ich möchte einen Platz, einen Wirkungsgrad haben.»

Familiäres Umfeld entscheidend

In solchen Räuber-und-Gendarmen-Spielen eine gefährliche Gewaltverherrlichung zu sehen, greift zu weit. «Natürlich können Waffen kurzfristig als Ventil wirken für Aggressionen. Sie können sogar kurzfristig Aggressionen auslösen», sagt SRF 1-Psychologe Markus Zimmermann. Bei einem Kind, das in einem guten Umfeld aufwächst, verpufft diese Reaktion aber schnell wieder.

Viel mehr als die Spielzeugpistole entscheidet das Verhalten in der Familie, wie gewaltbereit ein Kind ist. Vielfach spielen die Kinder Situationen nach, imitieren zum Beispiel TV-Figuren. Vor allem unter Jungen hat das Spiel mit Waffen auch einen starken Wettkampf-Charakter: Wer ist der Stärkere, wer trifft am besten, wer hat am meisten Macht?

Vorsicht bei einschlägigen Erlebnissen

Kritisch kann es dann werden, wenn Kinder mit unterschiedlichem Hintergrund aufeinander treffen. Für ein Kind, das Krieg bereits hautnah erlebt hat, bedeuten solche Spiele etwas ganz anderes als für Kinder, die in der friedlichen Schweiz aufgewachsen sind. Vorbelastete Kinder müssen dann dabei begleitet werden, ihre Erfahrung zu verarbeiten und richtig einzuordnen.

Mädchen greifen übrigens häufig zu anderem Rollenverhalten, um Aggressionen abzubauen. Während sie Frust eher damit kompensieren, ihrer Barbie den Kopf abzureissen, spielen Buben eher den Helden, der heroisch kämpft.

Wichtig bleibt das wachsame Auge: Erwachsene projizieren häufig eine Ernsthaftigkeit in das Spiel von Kindern, das diese gar nicht als solche empfinden. Besser als jedes Verbot von Spielzeugpistolen & Co. wirkt immer, Kindern zu zeigen, dass Waffen auch ihre dunkle Seite haben und man nicht auf Leute zielt. Dann werden aus kleinen Sheriffs und Indianern keine unkontrollierten Waffennarren.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Meier, Thun
    "... und man nicht auf Leute zielt." Das ist ja sehr sinnvoll, wenn man im Spiel als Polizist den Bösewicht aufhalten muss. Sowieso ist das eine untaugliche Spielregel im Umgang mit Waffen. Denn ein Geschoss aus einer echten Waffe durchschlägt problemlos eine (Auto-)Tür und auch manche Wand. Richtig muss es heissen: "Die Waffe nur auf ein Ziel richten, das man treffen will und Kugelfang vorhanden ist."
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  • Kommentar von Patrick Fehlmann, Pfaffnau
    Guter Artikel. Auch ich habe als kleiner Bube Räuber und Gendarm gespielt, in jeder freien Minute eine Spielzeugpistole in der Hand. Und bin ich jetzt psychisch gestört, oder von Mordgedanken geplagt? Nein, weil meine Eltern mir klare Grenzen gesetzt haben, wie nicht auf Menschen oder Tiere zielen. Wie im Artikel geschrieben ist, sehen wir Erwachsene immer die ganze Sache aus dramatischeren Augen, für die Kinder ist es nur ein Spiel. Gesunder Menschenverstand ist hier gefragt......
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