Psychische Probleme – Hausärzte sind Anlaufstelle Nummer 1

Viele Menschen haben gar keinen Hausarzt mehr. Dabei ist gerade die langjährige Betreuung durch ein und denselben Arzt wichtig, um psychische Leiden schnell aufzuspüren.

Hausarzt hört konzentriert einem Patienten zu.

Bildlegende: Die erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen ist meist der Hausarzt – so man einen hat. imago

Klar: Mit psychischen Leiden geht man zum Psychologen – oder zum Psychiater. De facto ist die erste Anlaufstelle aber oft der Hausarzt. Er ist es nämlich, der durch die langjährige Betreuung Veränderungen am ehesten erkennen kann.

Das können beispielsweise Wahnvorstellungen sein, die ein Patient entwickelt. Oder die Persönlichkeit verändert sich sukzessive, die Person kann vielleicht immer schlechter mit Stresssituation oder Emotionen umgehen, hört Stimmen oder fühlt sie wie von aussen gesteuert.

Der Beginn einer solchen Erkrankung ist oft schleichend, die Symptome sehr subtil. Dabei ist es gerade dann so wichtig, die Entwicklung früh zu erfassen, damit die Therapie früh einsetzen kann. «Der Vorteil des Hausarztes liegt meiner Meinung nach darin, dass wir die Patienten über längere Zeit begleiten und so vielleicht auch schneller realisieren, wenn sich ein Patient verändert», sagt Hausarzt Christoph Stirnimann.

Hartnäckig, aber verständnisvoll

Die Auslöser für psychische Krankheiten können ganz verschiedener Natur sein. Entweder es liegen organische Ursachen vor, ein Hirntumor vielleicht oder auch eine entzündliche Hirnerkrankung. Oder aber es gibt Ursachen, die nicht organischer Natur und viel schwerer – und manchmal gar nicht – aufspürbar sind.

Dann ist es besonders wichtig, dass zwischen Patient und (Haus-)Arzt ein Vertrauensverhältnis besteht, damit der Arzt seine Beobachtungen auch mitteilen und weitere Abklärungen vorschlagen kann.

Oft sträuben sich Patienten dagegen und verleugnen ihre Probleme. Dann liegt es am Arzt, klarzumachen, dass weitere Abklärungen dringend notwendig sind – für den Arzt eine Gratwanderung. «Es gibt Patienten, die sich während einer Konsultation ganz unauffällig verhalten und mich glauben lassen, dass alles in Ordnung sei, während zu Hause vielleicht überhaupt nichts mehr funktioniert», sagt Christoph Stirnimann. Für ihn sei das Schwierigste an der Situation, festzustellen, ab wann nun etwas nicht mehr normal ist und weiter abgeklärt werden sollte. «Viele Patienten empfinden es als stigmatisierend, wenn ich ihnen eine psychiatrische Behandlung nahelege.»