So «besonders», dass es schon nicht mehr schön ist

Einer internationalen Studie zufolge sind jene Heranwachsenden besonders selbstverliebt, deren Eltern sie für etwas Besseres halten. Wer seine Kinder als «Gottes Geschenk an die Menschheit» behandelt, tut ihnen und der Gesellschaft damit keinen Gefallen.

Eine junge Frau betrachtet sich in drei Spiegeln gleichzeitig.

Bildlegende: Übermässiges Selbstwertgefühl ist ein negatives Resultat übertriebener elterlicher Zuwendung. imago

Die Psychologen und Erziehungswissenschaftler befragten 565 niederländische Kinder zwischen 7 und 11 Jahren sowie deren Eltern zwei Jahre lang alle sechs Monate. Jene Heranwachsenden, deren Eltern angaben, ihr Nachwuchs sei «besonderer als andere Kinder» oder «verdiene im Leben etwas Aussergewöhnliches», waren später narzisstischer: Sie nahmen ihre Eltern beim Wort, besassen wenig Einfühlungsvermögen und reagierten überempfindlich auf Kritik.

Narzissmus ist nach Ansicht der Forscher ein Resultat übertriebener elterlicher Zuwendung – und nicht von zu wenig. Dies stütze die soziale Lerntheorie und widerspreche dem psychoanalytischen Ansatz, schreiben sie in der kürzlich veröffentlichten Studie.

Narzissmus sei aber nicht mit hohem Selbstwertgefühl zu verwechseln, betonen die Forscher. Eltern, die ihre Kindern mit viel emotionaler Wärme behandelten, stärkten das Selbstwertgefühl.

Narziss

Narziss, Ölgemälde von Caravaggio in der Galleria Nazionale d'Arte Antica, Rom

In der griechischen Mythologie verliebt sich Narziss, der schöne Sohn eines Flussgottes und einer Wassernymphe, in sein eigenes Spiegelbild. Die masslose Selbstverliebtheit wird ihm schliesslich zum Verhängnis.