Von Geräuschen zur Weissglut getrieben

Wer sich über ziemlich banale Alltagsgeräusche völlig unverhältnismässig aufregt, sollte sich näher mit dem Begriff «Misophonie» befassen. Der krankhafte Hass auf Geräusche lässt sich behandeln – wenigstens ein Stück weit.

Mann starrt mit wildem Blick und gerötetem Gesicht in die Kamera.

Bildlegende: Nehmen Misophoniker gewisse Geräusche wahr, brennen bei ihnen die Sicherungen durch. imago

Es gibt Geräusche, die für alle kaum auszuhalten sind: die Bohrmaschine beim Zahnarzt etwa oder Kreide, die über eine feuchte Wandtafel gezogen wird. Doch sehr viele Alltagsgeräusche nimmt man nur beiläufig wahr, wie das Brummen des Kühlschranks, das Klappern einer Tastatur oder das Zwitschern von Vögeln.

Für manche Menschen sind aber genau diese Umgebungsgeräusche, die andere ausblenden können, kaum auszuhalten. Man spricht dann von «Misophonie», wenn jemand eine krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Tönen aus der Umwelt hat.

Das ist, wenn das Ticken einer Uhr, das Kaugeräusch beim Essen eines Apfels, Atmen oder Nasenschneuzen nicht nur stört, sondern innert weniger Sekunden Herzrasen, Schwitzen oder Aggressionen auslöst.

Leben in Isolation

Fest steht: Das Leben mit Misophonie kann eine Tortur sein und zu Ausgrenzung führen. Die Diagnose des Leidens erfolgt durch eine Neurologin, einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten oder einen Psychologen. Zur Behandlung bieten sich Gesprächstherapien an oder Methoden, die man von der Tinnitusbehandlung her kennt.

Eine Therapie kann helfen, die störenden Geräusche anders einzuordnen. Das führt zwar oft nicht zur kompletten Heilung, aber immerhin zu einer Minderung der Symptome, sodass ein Leben mit Misophonie erträglicher wird.

Misophonie

Misophonie setzt sich aus dem griechischen Misos (Hass) und phoné (Geräusch) zusammen, heisst wörtlich übersetzt also «Hass auf Geräusche». Häufig ist auch vom Selective Sound Sensitivity Syndrome die Rede