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Psyche Wozu Träume gut sind

Warum wir träumen, weiss man nicht so genau, auch nicht, ob unsere Träume Sinn machen. Aber ein genauerer Blick auf die Träume kann nicht schaden, sagt Michael Schredl, Traumforscher am Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit.

Legende: Video Was sagen uns unsere Träume? abspielen. Laufzeit 16:00 Minuten.
Aus Puls vom 02.06.2014.

«PULS»: Herr Schredl, warum träumen wir?

Michael Schredl: Warum wir träumen ist eine noch unbeantwortete Frage. Wir wissen, dass das Gehirn dazu fähig ist, Gedankenwelten zu schaffen. Die Idee vieler Psychologen ist, dass Dinge, die wir tagsüber erleben, nachts verarbeitet und bearbeitet werden.

Wozu?

Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass ein Wiederaufgreifen der Themen des Tages irgendwie einer Problemlösung dient. Aber bis heute ist nicht geklärt, ob Träumen zur eigentlichen Entwicklung oder zur besseren Problemlösung beiträgt, ob also diese Traumbilder wirklich Sinn machen.

Kann man seine Träume also getrost vergessen?

Nein. Was wir auch wissen: Wenn man mit den Träumen arbeitet, wenn man sich also anschaut, was da im Gehirn nachts passiert und sich Gedanken darüber macht, ist das für viele Menschen sehr hilfreich – sie lernen mehr über sich und ihren Umgang mit der Welt.

Dann verpassen Menschen, die nie träumen, eine Chance?

Es gibt keine Menschen, die nicht träumen. Das Gehirn eines jeden Menschen hat die Fähigkeit zu träumen. Und macht das auch. Immer wenn Sie schlafen, träumen Sie auch. Wer glaubt, nie zu träumen, der erinnert sich einfach nicht daran.

Kann man das Erinnern an Träume lernen?

Ja, es hilft schon, wenn man sich abends vornimmt, sich an einen Traum zu erinnern. Nach dem Aufwachen sollte man sich kurz überlegen, ob da etwas gewesen ist. Ein Traumtagebuch ist auch hilfreich: gleich beim Aufwachen niederschreiben, was man geträumt hat. All das erhöht die Fähigkeit, sich an Träume zu erinnern.

Ist das in jedem Fall erstrebenswert? Geht’s dem besser, der sich an seine Träume erinnern kann?

Es gibt Diskussionen, ob das Nicht-Träumen ein Verdrängen ist. Aber die heutigen Daten zeigen klar: Die Häufigkeit, mit der man sich an Träume erinnert, hat nichts mit der seelischen Gesundheit zu tun.

Porträt von Traumforscher Prof. Michael Schredl
Legende: SRF

Prof. Michael Schredl ist Traumforscher und wissenschaftlicher Leiter der Schlafforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.

2 Kommentare

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  • Kommentar von florian arnelas, zürih
    es ist eigtl ganz einfach, dasselbe phänomen ist gaffen! wenn wir eine schlägerei sehen schockiert uns das, trotzdem sehen wir hin! und zwar unbewusst, damit wenn wir in eine ähnliche situation kommen, besser wissen wie uns verhalten. wenn wir 100 schlägereien gesehen haben, verspüren keine angst mehr! das gleiche versucht der traum! wir werden häufig konfrontiert mit unseren ängsten, damit wenn wir in eine solche situation kommen darauf vorbereitet sind! das gehirn trainiert uns in der nacht.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Das Hirn zu Recht als komplexestes Organ genannt, welches die Evolution hervorbrachte. Auch wenn seit den 80-er durch bildgebende Verfahren grosser Erkenntniszuwachs stattfand, hat es viele neue Fragen aufgeworfen. Hinter Träumen muss ein Sinn stecken, auch wenn die Wissenschaft ihn nicht durchschaut. Hierzulande wird Träumen gar in abergläubischer Weise künftiges Geschehen beigemessen. Kann dies aus einem erlebten Fall, nur noch zu 99.9% ausschliessen. Statistische Wahrscheinlichkeit?
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