Sportverbot bis zur Geburt?

Verläuft die Schwangerschaft normal, liegen mehr körperliche Aktivitäten drin, als viele Frauen denken.

Schwangere Frau sitzt auf Gymnastikball

Bildlegende: Während der Schwangerschaft braucht frau auf Sport nicht zu verzichten. imago

Frauen sind oft unsicher, ob sie während der Schwangerschaft weiter Sport treiben dürfen oder nicht. Viele Frauenärzte oder -ärztinnen raten auch heute noch zur Schonung. Dem widerspricht Sportärztin Dr. Sibylle Matter, die als ehemalige Triathletin und Mutter von zwei Kindern weiss, wovon sie spricht: «Es ist nicht gefährlich, sich zu bewegen. In einer gesunden Schwangerschaft ist Sport nützlich – für Mutter und Kind.»

Die Hälfte des bisherigen Pensums

Als Faustregel gilt: Wer vorher schon Sport machte, sollte sein Pensum auf etwa die Hälfte reduzieren. Eine Frau kann aber auch noch während der Schwangerschaft mit Sport anfangen.

«Dann ist empfohlen, pro Woche drei- bis viermal eine Viertelstunde Sport zu treiben, und das Pensum kontinuierlich auszubauen, auf vier- bis fünfmal zwanzig Minuten, dann weiter bis zu sechs- bis siebenmal eine halbe Stunde», sagt Sibylle Matter.

SPortärztin in einem Trainingsraum

Bildlegende: Dr. Sibylle Matter spricht sich für Sport während der Schwangerschaft aus. SRF

Nicht erst im fünften Monat anfangen

Kontinuität ist gefragt. Erst im fünften Monat mit viel Training anzufangen, davon rät sie ab. Denn man weiss, dass sich das Muskelgewebe nach und nach an die Belastung gewöhnen muss, zum Beispiel an Schläge beim Laufen. Die Durchblutung der Plazenta wird verbessert und der Sauerstoff-Transport trainiert.

Ausdauersport ist besonders gesund. «Das Kind trainiert mit. Es setzt bei regelmässigem Training weniger Fett an, ist muskulöser und das Geburtsgewicht ist tiefer, ohne dass das Kind untergewichtig ist», erklärt die Ärztin. Und auch für die Mutter hat Sporttreiben Vorteile: weniger Depressionen, weniger Rückenweh, weil die stabilisierende Muskulatur trainiert wird. Weniger Bluthochdruck und Gewichtszunahme und damit ein tieferes Risiko für Schwangerschafts-Diabetes.

Keine intensiven Einheiten mehr

Sibylle Matter hat selbst noch Sport gemacht, als sie schwanger war. Von Wettkämpfen rät sie jedoch ab. Ebenso von zu intensiven Trainingseinheiten von über 90 Prozent des Maximalpulses. In Studien wurde festgestellt, dass schwangere Frauen gerade im dritten Trimester ihre Herzfrequenz oft als zu tief einschätzen, daher ist Training mit Pulsmesser angeraten.

«  In einer gesunden Schwangerschaft ist Sport nützlich – für Mutter und Kind. »

Um den Körper optimal auf die Geburt vorzubereiten, sind die Gelenke von Schwangeren beweglicher, was das Verletzungsrisiko erhöht. Auch eine ungesunde Überhitzung des Körpers sollte die Schwangere vermeiden – vor allem beim Training in den Sommermonaten eine Gefahr.

Rennen durchaus möglich

Joggen ist auch in der Schwangerschaft möglich, solange es der Frau dabei wohl ist. Die Angst vor einer Frühgeburt durch Rennen sei durch Studien nicht erhärtet, meint Sibylle Matter.

Aufzupassen ist beim Krafttraining: Zu lange Pressatmung kann den Blutfluss zum Kind unterdrücken. Ab dem vierten Monat sollte auch nicht zu viel auf dem Rücken liegend trainiert werden, weil das die Gefässe abdrücken kann. Auch von Sportarten mit Sturzrisiko oder der Gefahr von Schlägen gegen den Bauch rät sie ab.

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Schwangerschaft und Sport – So macht es Nicola Spirig

9:26 min, aus Puls vom 27.3.2017

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