Vasektomie – Einmal unterbinden statt ständig verhüten

Die Sterilisation des Mannes gilt laut PEARL-Index als sicherste Verhütungsmethode. Für die einen Männer ist die Vasektomie deshalb die perfekte Verhütungsmethode, andere haben Angst davor. Wer sich unterbinden lassen will, sollte sich vorher über die Risiken und den Sex danach informieren.

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Vasektomie – Nicht immer so harmlos wie versprochen

6:09 min, aus Puls vom 1.5.2017

Was geschieht beim Eingriff?

Die Spermazellen (Spermien) des Mannes werden in den Hoden gebildet. Sie gelangen via Samenleiter in die Harnröhre. Dort werden sie mit Sekreten aus der Prostata vermischt und bilden das Ejakulat.

Bei einer Vasektomie durchtrennt der Arzt den Samenleiter. Die Spermien können den Hoden nicht mehr verlassen. Das Ejakulat ist dann spermienfrei und der Mann somit zeugungsunfähig , also «steril».

Der Eingriff wird ambulant unter Lokalanästhesie durchgeführt und dauert etwa eine halbe Stunde.

Ist man sofort unfruchtbar?

Nein, das ist man nicht! Um sicherzugehen, wird routinemässig nach drei3 Monaten eine Spermienanalyse gemacht. Dabei wird geprüft, ob sich noch Spermien im Ejakulat befinden. Erst wenn dieser Bescheid negativ ausfällt, ist man unfruchtbar. Bis zum definitiven Entscheid der Spermienanalyse muss verhütet werden, denn Spermien können noch Wochen und Monate nach einer Vasektomie im Samenleiter bleiben

Was sind die Risiken und Nebenwirkungen einer Vasektomie?

Die Vasektomie gilt als risikoarmer Eingriff. Die Komplikationsrate ist dementsprechend tief.

Mit folgenden Nebenwirkungen muss man rechnen:

  • Schmerzen für einige Tage. Insbesondere im Hoden- und Leistenbereich und speziell dort, wo der Samenleiter durchtrennt wurde. Die Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln gut lindern.
  • Nachblutungen beim Eingriffsort; Bluterguss mit leichter Schwellung. Klingt nach maximal 2 Wochen ab.

Bei bis zu 14 Prozent der Männer können nach einer Vasektomie folgende Komplikationen auftreten, die eine (meistens medikamentöse) Nachbehandlung erfordern:

  • Infektionen, Entzündungen von Hoden und Nebenhoden
  • Bildung von knotenförmigen Bindegewebswucherungen
  • Bildung eines Spermagranuloms
  • Narbenwucherung
  • Erneute Zeugungsfähigkeit (Macht eine Wiederholung des Eingriffs erforderlich)

Bei einem Prozent der Männer kann zudem ein Post-Vasectomy-Pain-Syndrom (P-V-P-S) auftreten: Chronische Hodenschmerzen die lebenslänglich anhalten. In über der Hälfte aller Fälle führt die Entfernung der Nebenhoden zur Schmerzfreiheit des Patienten.

Lässt sich eine Vasektomie rückgängig machen?

Ja, das ist möglich. Mit einer Vasovasostomie. Dabei wird der durch die Vasektomie durchtrennte Samenleiter wieder chirurgisch verbunden. Bei 10 Prozent der Behandelten bringt die Vasovasostomie jedoch nicht den erhofften Erfolg – sie bleiben weiterhin unfruchtbar.

Wie verändert die Vasektomie die Sexualität?

Männer haben oft die Befürchtung, dass sich ihre Männlichkeit oder ihr Verhalten durch die Sterilisation verändern. Dem ist nicht so. Das Ejakulat bleibt in seiner Menge und Beschaffenheit gleich, es fehlen darin lediglich die Spermien. Weder die sexuelle Lust noch Erektion oder Potenz sind vom Eingriff betroffen. Ebenso wenig verändert sich die Stimmlage, und auch die Produktion der männlichen Hormone bleibt vonm Eingriff unbeeinflusst.

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