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Drei Gesichter nahe: Links Matthias Gysel, Mitte Petra Schneider, rechts Christoph Wick
Legende: Matthias Gysel, Petra Schneider und Christoph Wick SRF
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Coronastress: Eltern gefordert «Wie kann man seine Kinder noch beschäftigen?»

Matthias Gysel, Petra Schneider und Christoph Wick haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Matthias Gysel
Berater Elternnotruf
Sozialarbeiter FH
Elternnotruf Zürich, Link öffnet in einem neuen Fenster

Petra Schneider
Beraterin Pro Juventute
Psychologin
Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fenster

Christoph Wick
Berater und Geschäftsleitung Kinder- und Jugendhilfe
Sozialarbeiter FH
Kinder- und Jugendhilfe St. Gallen, Link öffnet in einem neuen Fenster

Chatprotokoll

Wenn Sie Ihre Fragestellung eingehender mit einer Fachperson besprechen möchten, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle, die für Ihren Wohnort zuständig ist.

Guten Abend, ich habe 2 Jugendliche zu Hause, die Coronazeit stresst sie mega . Man kann ja nicht alles verbieten. Haben Sie eine coole Idee?

Matthias Gysel: Die Coronazeit ist für alle in der Familie eine Belastung, für die Kinder, aber auch für Sie als Mutter. Ja, alles verbieten kann man nicht, aber die Freiräume sind nun etwas begrenzt. Reden sie in ruhigen Momenten mit ihren Kindern und sprechen Sie deren Gefühle an. Versuchen Sie im Alltag ruhige Situationen in der Familie zu gestalten, in denen man gemeinsam entspannen und sich unterstützen kann. Fragen Sie Ihre Kinder, ob sie selber Ideen haben, die Situation etwas zu "entstressen". Ziehen Sie dort Grenzen, wo es für Sie und Ihre Kinder wichtig ist. Was nicht so wichtig ist, darf ruhig mal etwas warten...

Wie kann man seine Kinder noch beschäftigen? Ausdauer zum länger Basteln haben sie leider nicht, Spiele sind durchgespielt, Umgebung ist schon etliche Male durchforstet worden.

Petra Schneider: Kinder auf längere Zeit zu beschäftigen, kann eine grosse Herausforderung werden. Zum Glück können die meisten Kinder auch mal gut alleine für sich etwas spielen. Sie können die Phantasie Ihrer Kinder anregen, indem sie ihnen Materialien zum freien Spiel zur Verfügung stellen, wie zum Beispiel Naturmaterialien oder Utensilien zum "verchleiderle". Gerade kleinere Kinder üben sehr gerne Theaterstücke ein oder spielen Zirkus. Hier finden Sie noch weitere Ideen https://www.projuventute.ch/de/eltern/familie-gesellschaft/corona-spielen-zu-hause, Link öffnet in einem neuen Fenster

Wie kann ich als alleinerziehende Mutter von zwei Teenagerinnen 16 und 15 ( die jüngere sehr wahrscheinlich mit Aspergersyndrom, wird jetzt nach langem Warten abgeklärt im Herbst) zu meiner Ruhe kommen? Der Vater hat zu seinen Kinder keinen, respektive fast keinen Kontakt und die Kinder waren in den letzten 2.5 Jahren nur noch bei mir gewesen. Also keine freien Wochenende. Ich mag nicht mehr.

Christoph Wick: Die grosse Belastung, die Sie schildern ist sehr verständlich. Gibt es in Ihrem Umfeld Menschen, (z.B. Grosseltern, Verwandte, Freundinnen) bei denen ihre Töchter gewisse Stunden oder einzelne Tage verbringen könnten? Vielleicht ist es auch möglich, dass Sie einmal alleine etwas unternehmen, um Kraft zu schöpfen und die Töchter die Zeit alleine verbringen können.

Wir haben 2 Jungs 14/16 Jahre alt.Was wir momentan feststellen, ist eine Zunahme der Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen. Eigentlich sind beide sehr sozial,aber in den letzten Wochen hat sich ihr Verhalten verändert.Die Meinung hält Einzug, dass man sich nichts gefallen lassen muss,und dass man dies wenn nötig auch mit Gewalt unterstreichen darf. Ihr eigenes provokatives Verhalten wird nicht ansatzweise hinterfragt,und sie lassen dies auch nicht zu. Kann dies durch den Lockdown verstärkt sein?

Matthias Gysel: Der Lockdown kann aggressives Verhalten verstärken. Nicht nur bei Jugendlichen, auch bei Erwachsenen. Wir sind alle etwas "coronamüde" und vielleicht am Limit. Suchen Sie ruhige Momente mit den Kindern. Fragen Sie sie, was Sie wütend macht, teilen auch Sie Ihre Gefühle mit. Aggression ist eine Form der Mitteilung. Dahinter kann sich Unsicherheit oder auch Angst verbergen. Deshalb ist es wichtig, die Gefühle anzusprechen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Der Stress löst bei uns aus, dass die Kinder nicht mehr abmachen dürfen. (Da wir ein 5personen Haushalt sind) und die Quarantäneregeln, wo man Kids einsperrt...es kann einem mehrmals treffen. Wie auch die Maskenpflicht ab der 4. Klasse wo mein Junge nun uber sehr trockenen Mund klagt und Schluckbeschwerden. Da fragen wir uns als Eltern; schadet alles nicht mehr als der Nutze ist. Und drückt man die Kinder nicbt einfach in etwas und wir können uns nicht wehren?

Petra Schneider: Gerade Familien mit 3 Kindern sind von der 5-Personenregel sehr stark betroffen. Je nachdem wie alt Ihre Kinder sind, wären Aktivitäten mit je einem Kind und seinen Freunden draussen allenfalls eine Alternative. Wenn Ihre Kinder unter trockenem Mund leiden, erkundigen Sie sich in der Drogerie nach einer Lutschtablette. Das kann Linderung bringen. Es kann auch helfen, wenn Sie sich mit anderen Eltern austauschen und fragen, wie diese mit den Auflagen umgehen und klar kommen. Alles Gute!

Grüezi. Es gibt auch die andere Seite: Jugendliche, die gestresst sind, weil sie weiterhin vollzeit in die Schule müssen, in grossen Klassen und engen Zimmern , und (übermässig) grosse Angst haben, sich anzustecken und das Virus nach Hause zu tragen, zu Eltern, Grosseltern, die zur Risikogruppe gehören. Ganz besonders schwierig für Einelternfamilien ohne grosses Unterstützungsnetzwerk. Wie da einen gesunden Mittelweg finden?

Matthias Gysel: Was Sie ansprechen, ist in der Tat eine grosse Herausforderung für die Jugendlichen. Wie ein gesunder Mittelweg aussehen kann, ist nicht einfach allgemein zu beantworten. Ich denke, dass jeder Jugendlicher, jede Jugendliche in seiner, ihrer Situation betrachet und unterstützt werden soll. Es ist wichtig, über die Aengste und Unsicherheit zu reden, auch über mögliche Schuldgefühle. Wir alle sind in solchen Situationen verunsichert. Deshalb ist es wichtig, darüber zu reden, damit die Aengste nicht im Verborgenen bleiben müssen und geteilt werden können.

Wie erkläre ich einem 4jährigen Kind am besten, wie lange die Corona Einschränkungen noch dauern? Sicher bis Weihnachten? Vielleicht bis es 6 Jahre alt ist? Oder einfach, dass wir schlichtweg keine Ahnung haben? Ich will dem Kind Hoffnung vermitteln, nichts vormachen und so erklären, dass es sich etwas vorstellen kann. Nur wie?

Christoph Wick: Es ist für alle Menschen schwierig, die Dauer der Einschränkungen nicht zu kennen. Einem 4-jährigen Kind sollten keine Versprechen gemacht werden, sondern nur sagen, was gewiss ist. Das heisst, keine Zeitangabe machen. Man kann jedoch sagen, dass die jetzigen Massnahmen einmal enden werden. In der Zwischenzeit ist es gut, mit Ihrem Kind zu besprechen, was trotz der schwierigen Situation möglich ist.

Guten Abend. Wie sinnvoll ist es, wenn Kinder zur Zeit ihre Freunde zum Spielen nach Hause einladen (unter Einhaltung der Fünfpersonen-Regel)? Jede Familie regelt dies zur Zeit anders. Einige landen Kinder nur fürs Spielen draussen ein. Andere spielen auch in der Wohnung. Was empfehlen Sie? Besten Dank.

Petra Schneider: Wir empfehlen, dass Kontakte unter Kindern unter Einhaltung der BAG Regeln ermöglicht werden. Für Kinder und Jugendliche ist der soziale Kontakt mit Gleichaltrigen sehr wichtig. Sinnvoll ist bestimmt, wenn Sie das Abmachen auf die besten Freunde Ihrer Kinder eingrenzen. Ist dies Draussen möglich, umso besser! Und fragen Sie bei den anderen Familien nach, wie sie es handhaben. So können Sie ganz individuelle Settings zum Abmachen finden.

Wir sind eine Familie mit 2 Erwachsenen Kindern. Mein Sohn und ich sind krank und liessen uns am gleichen Tag testen. Er positiv, ich negativ. Wie führen wir die 10 tägige Isolation durch. Sohn in Isolation in Zimmer. Tochter und Ehemann in Quarantäne in der Wohnung. Und ich?

Matthias Gysel: Die Herausforderung in ihrer Familie ist sehr gross. Dass ihr Sohn die Isolation im Zimmer durchführt, ist richtig. Versuchen Sie aber, mit ihm im Kontakt zu sein, telefonisch oder über Zoom. Sprechen Sie mit ihm. Ich denke, dass alle gemeinsam nun diese Quarantäne durchführen und "durchstehen" müssen, Sie ebenfalls, auch wenn Sie negativ getestet worden sind. Eine Ansteckung kann ja zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden haben. Unterstützen Sie sich gegenseitig, bleiben sie im Gespräch miteinander.

Durch die vielen Fälle an Schulen in der letzten Zeit sind wir verunsichert und befürchten, dass unsere Tochter das Virus nach Hause bringt und die ganze (erweiterte) Familie ansteckt. Mir wäre eine temporäre Schulschliessung eigentlich ganz recht. Die Tochter aber findet die Vorstellung schlimm, dass die Schulen vielleicht doch geschlossen werden könnten und wir finden es auch toll, dass sie so gern geht. Wie sollen wir ihr gegenüber am besten kommunizieren? (6j., Kindergarten)

Petra Schneider: Toll, dass Ihre Tochter so gerne zur Schule geht. Es kann helfen, wenn Sie ihr erklären, dass sie sich aufgrund der Coronakrise Gedanken darüber machen, ob eine Schulschliessung nicht besser für die Gesundheit wäre. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sie ihr vermitteln, wie schön es ist, dass gerne zur Schule geht. Das muss also nicht wirklich ein Dilemma sein. Und Kinder können erfahrungsgemäss gut damit umgehen, dass auch Eltern manchmal nach Antworten suchen müssen.

+++Ist schon irgendwie traurig und ich verstehe die Jugend.Aber auch wir mit 66 Jahren haben Probleme mit diesen Lockdowns. Auch wir möchten noch leben mit Kino Konzerten Restaurants und usw. Der Unterschied ist die Jugend kann alles noch nachholen aber uns läuft die Zeit davon.+++

In unserer Familie gibt es zur Zeit viele Streitereien und es kann auch laut werden. Die Kinder haben beide ADHS und 1 mit Asperger. sie sind 12 und 10. Wie kann man sie noch beschäftigen und auspowern? Denn alles was ihnen spass macht (Judo, Musikverein, Jubla) darf ja nicht stattfinden. und alles was wir als Eltern ihnen anbieten ist doof und wird nur widerwillig angenommen.

Petra Schneider: Für Kinder und Jugendliche ist es schwierig, wenn sie ihre Hobbies nicht ausführen können. Gerade wenn dies den Sport betrifft, bekommen die Eltern das dann oft zu hause zu spüren. Es kann helfen, wenn Kinder auch in der kalten Jahreszeit viel Zeit draussen verbringen um sich auspowern zu können. Fragen Sie Ihre Kids, welche Outdoor Aktivitäten ihnen noch am ehesten Spass machen würden. Fahradfahren oder Schlitteln wären je nach Witterung ein Möglichkeit. Wenn sie dann noch ein "Gschpähnli" mitnehmen dürfen, oder alleine unterwegs sein dürfen, wird dies schnell auch attraktiver. Mehr Tipps finden sie hier https://www.projuventute.ch/de/eltern/familie-gesellschaft/corona-spielen-zu-hause, Link öffnet in einem neuen Fenster

Es nervt die unendlichen Diskussionen - Massnahmen sind übertrieben sagen die Kinder - wir wollen aber, dass sie sich an die Massnahmen halten weil es so angeordnet wird.

Petra Schneider: Verständlich, dass unendliche Diskussionen nerven können. Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch und erklären Sie, dass es für alle anstrengend sein kann, sich an die Massnahmen zu halten. Es kann helfen, wenn Sie sich darauf konzentrieren, was trotzdem noch möglich ist.

Pupertierende Jugendliche wollen ja trotz Corona ihre Sexualität ausleben. Wie/wo machen Sie das? Heimlich? Weniger? Welche Beobachtungen machen Sie hier zurzeit im Gespräch mit Jugendlichen?

Matthias Gysel: Ich denke, dass Jugendliche auch vor Corona ihre Sexualität manchmal heimlich ausgelebt haben. Wichtig ist, mit den Jugendlichen über Sexualität, Beziehungswünsche und den Wunsch nach Nähe zu sprechen, gerade auch deshalb, weil Nähe und Zärtlichkeit nun mit "Gefahren" verbunden und sind. Ich kann nicht beurteilen, ob die Jugendlichen nun "weniger" Sexualität leben. Ich denke, dass wenn Sie sie leben wollen, auch jetzt Wege finden, dies zu tun. Gerade deshalb sind offene und vertrauensvolle (Aufklärungs)- Gespräche von Erwachsenen mit ihnen bedeutungsvoll und können ihnen Orientierung und Sicherheit geben. Zudem werden die Jugendliche auch untereinander ihre Erfahrungen austauschen.

Warum werden die QV Prüfungen nicht abgesagt? Die Jungen, die dieses Jahr abschliessen müssen, haben viel mehr Stress in allen Belangen was ihr letztes Ausbildungsjahr betrifft, wie die vom letzten Jahr. Hin und her mit homeschooling, mehr Streit zuhause, HO auf engem Raum, Ausbildung am Arbeitsplatz mit HO ist nicht gleich wie im Büro. All dies beeinflusst wie die jungen an die Prüfungen müssen. Warum wird dies nicht berücksichtigt?

Christoph Wick: Es ist sicher so, dass viele junge Menschen stark leiden in der jetzigen Situation, insbesondere wenn Ihnen eine für ihr Leben wichtige Prüfung bevorsteht. Um junge Menschen in dieser Situation zu unterstützen, ist das Gespräch mit ihnen wichtig. Dabei kann es um Fragen der persönlichen Prüfungsvorbereitung, dem Umgang mit Stress und Ängsten gehen und wie Sie als Eltern Ihren Sohn oder Ihre Tochter unterstützen. Sie können auch fragen, wie Sie zu einer Entlastung beitragen können (z.B. Kontakt aufnehmen mit Lehrperson oder AusbildnerIn, ihr/ihm etwas Gutes tun).

Mein Sohn (18) hatte schon vor Corona psychisch Probleme und auch steht er, wegen Operation vor einem halben Jahr und folgendem Infekt, immer noch unter Antibiotikatherapie. Ich (alleinerziehend) gehöre zur Risikogruppe. Der Sohn oft 18 v. 24 h am Tag an digitalen Medien. Stimmung kippt häufig, manchmal habe ich Angst, er tut sich etwas an. Psychiater reagiert nicht auf meine Apelle. Was soll ich tun, wo kann ich mich hinwenden oder wo der Sohn?

Petra Schneider: Wenn Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Sohn sich etwas antut, ist es wichtig, dass Sie sich Unterstützung suchen. Sie können sich rund um die Uhr bei der Pro Juventute Elternberatung melden https://www.projuventute.ch/de/elternberatung, Link öffnet in einem neuen Fenster. Wir unterstützen Sie gerne bei den nächsten Schritten. Ihr Sohn kann die Nummer 147 anrufen, wenn er jemanden zum reden braucht. Die Notrufnummer für Kinder und Jugendliche ist rund um die Uhr besetzt, kostenlos und vertraulich. Viel Kraft!

Nicht speziell Corona bezogen aber sehr dringend: Mein Sohn (26) hat sich seit Februar 2020 in sein Zimmer zurückgezogen und verlässt es nur in der Nacht, wenn niemand da ist. Er isst sehr wenig und unausgeglichen. Er spricht mit niemandem mehr von der Familie. Oft tagsüber im Netz. Keine Freude, Kollegen soweit ich weiss. Ich habe schon alle möglichen Institutionen vor Ort konsultiert. Alle finden es schwierig, aber niemand hat eine Lösung. Was kann ich noch tun?

Matthias Gysel: Eine Lösung kann ich Ihnen auf diesem Wege auch nicht anbieten. Was Sie mit Ihrem Sohn erleben, ist eine grosse Belastung für Sie, gerade auch deshalb, weil viele Fachstellen ebenfalls keine "Lösung" anbieten können. Ich denke, dass es wichtig ist, mit Ihrem Sohn im Kontakt zu bleiben, im Austausch zu sein und ihm zu zeigen, dass Sie da sind und in der Beziehung bleiben. Wenn er tagsüber im oft im "Netz" ist, versuchen Sie darüber mit ihm Kontakt aufzunehmen und im Gespräch zu sein. Aufgrund der langen Zeitdauer, in der sich Ihr Sohn zurückgezogen hat, ist fachliche Unterstützung von aussen angezeigt. Thematisieren Sie, wenn es möglich ist, mit Ihrem Sohn diese Möglichkeit. Zeigen Sie ihm auf, dass es hilfreich sein kann, sich Hilfe und Unterstützung zu holen.Versuchen Sie, ob es in kleinen Schritten möglich ist, dass er wieder in den Familienalltag zurückfindet. Zum Beispiel eine kurze Begrüssung mit Sichtkontakt jeden Morgen..Aktivieren Sie sein "Netzwerk". Gibt es Freund/innen, Verwandte, die auf Besuch kommen können und eine Kommunikation mit ihm versuchen? Wichtig ist auch, dass Sie für sich Unterstützung erhalten, damit Ihre Bedürfnisse nicht zu kurz kommen.

Ich verzweifle, da ich mich ohnmächtig fühle. Ich sehe die Verzweiflung von sooooo vielen Kindern und Jugendlichen, viele ziehen sich immer mehr zurück, viele reden von Hamsterrad, viele verlieren Ziele und Motivation. Ich arbeite als Heilpädagogin mit Kindern zwischen 11-16 Jahren und habe drei eigene Kinder. Ihr Elend, ihre vermissten Freunde, Sportangebote, Hobbies und dass ich als Mutter und Erwachsene und Lehrerin einfach nichts dagegen tun kann, raubt mir den Schlaf. Hilfe Gesellschaft!

Matthias Gysel: Ja, manchmal ist die Situation wirklich zum Verzweifeln. Was Sie ansprechen, stellen wir Berater/innen im Elternnotruf ebenfalls fest. Jugendliche verlieren ihre Motivation, ziehen sich zurück, wirken oft resignativ. Sie sehen und erleben, dass auch Erwachsene sich verändern und unsicher sind, keine Antworten haben. Ich denke, dass es genau jetzt wichtig ist, die Aufmerksamkeit immer wieder mal neu auszurichten auf Erlebnisse und Dinge, die auch in dieser Zeit schön sind und Kraft geben können. Gemeinsame Erlebnisinseln schaffen, die unter diesen Bedingungen möglich und spannend zu erkunden sind und gut tun. Gemeinsam einen Film anschauen, gemeinsam lachen, sich Halt geben und sich gewiss sein, dass nach dieser Zeit wieder eine andere Zeit kommt. Die Gefühle dürfen Platz haben. Es soll nichts "schöngeredet" werden. Aber es kann helfen, Gutes und Erfüllendes in der Vordergrund zu rücken.

Wie lässt sich eine Quarantäne in einem fünfer Haushalt, wo alle einen grossen Bewegungsdrang haben, vereinbaren? Wie lässt sich angestaute Energie, Frust, etc abbauen, wenn nicht mal Joggen und co erlaubt sind?

Christoph Wick: Diese Situation ist wirklich schwierig. Versuchen Sie trotzdem, kreative Ideen zu entwickeln. In diesen Tagen könnten zum Beispiel alle Familienmitglieder überlegen und gemeinsam besprechen, welche Bewegungsmöglichkeit es zu Hause, eventuell auf dem Balkon oder im eigenen Garten gibt. Jedes Familienmitglied hat wahrscheinlich unterschiedliche Bedürfnisse; jemand möchte sich vielleicht nicht bewegen, sondern entspannen, jemand sich ablenken oder "Joggen an Ort und Stelle". Um Spannungen zu reduzieren, kann es sinnvoll sein, wenn alle Familienmitglieder absprechen, wann sie alleine und wann zusammen mit anderen Familienmitgliedern sein möchten. Wir wünschen Ihnen, dass Sie diese Tage trotz allem gut verbringen können.

Mein Sohn (18) hat im 2020 seine Lehre im 2. Lehrjahr abgebrochen und sitzt seitdem nur zuhause am PC rum. Ich probiere immer wieder mit ihm ins Gespräch zu kommen und ihn zu motivieren eine Lehrstelle zu finden doch er erwähnt immer die gleichen Argumente wie es gäbe keinen Job, der ihm Spass macht, er wird einfach eine reiche Frau heiraten oder so Sachen er braucht kein Geld um zu leben, es hat keinen Wert/Sinn für Geld arbeiten zu gehen. Ich habe Sorgen, dass er sich so seine Zukunft verbaut...

Matthias Gysel: Ich finde es anerkennenswert, wie Sie sich mit der Situation und Ihrem Sohn auseinandersetzen. Seine Argumente bringen vielleicht sein Vermeidungsverhalten zum Ausdruck. Dahinter können Aengste und Unsicherheit stehen. Diese anzunehmen, ist nicht einfach. Die Vorstellung, eine reiche Frau zu treffen, die einen unterhält, ist für ihn vermutlich im Moment einfach inspirierender. Vielleicht weiss er wirklich nicht, welche Arbeit im Spass macht. Für diese Situation schlage ich Ihnen vor, sich für eine Telefonberatung beim Elternnotruf zu melden: www.elternnotruf.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster, damit wir gemeinsam besprechen können, wo Möglichkeiten zur Veränderungen zu erkennen sind.

Guten Abend, gilt die BAG Regel der erlaubten kurzen "Frischluftepisoden" für unter Quarantäne stehende Kinder auch für mein Kind (10 Jahre) in Isolation?

Christoph Wick: Gemäss BAG kann auch Ihr Kind trotz Quarantäne täglich an die frische Luft gehen. Unter diesem Link finden Sie die detaillierten Anweisungen des BAG zur Quarantäne und Isolation: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/isolation-und-quarantaene.html#1388436388, Link öffnet in einem neuen Fenster Ich hoffe, das beruhigt Sie etwas. Alles Gute.

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