Zwangsstörungen: Leben mit Ticks und Tourette

Wer an Zwangsstörungen leidet, erlebt im Alltag laufend Spott und Ausgrenzung. «Puls» begleitet Menschen im Bemühen um ein Minimum an Normalität.

Eine junge Frau, deren Alltag durch absurde Rituale derart bestimmt ist, dass sie keinen Weg mehr gerade gehen kann. Ein junger Mann, der wegen unkontrollierbaren Ausrufen nie eine Lehrstelle finden konnte: Zwei von rund 20’000 Personen in der Schweiz, die an Zwangsstörungen leiden.

Wann ist ein Tick nicht mehr harmlos?

Jeder und jede von uns kennt es, wenn wir uns ein Spiel draus machen, auf der Strasse nicht auf Linien zu treten – oder eben gerade nur auf diesen zu balancieren. Wann gilt solches Verhalten als Störung und wie weit ist es normal? Wie entstehen Zwangsstörungen, und wie funktionieren ihre komplexen Mechanismen? Das erklären Experten der Hirnforschung und Psychiater in einer spannenden Sendung zum Thema.

Zwänge bestimmen den Alltag

Im Fall von Tea (17) ist es eine innere Stimme, die ihr Befehle gibt. Die Stimme entscheidet, dass sich die Dinge in Teas Zimmer nicht berühren dürfen. Sie bestimmt auch, dass vor dem Betreten eines Zimmers eine Pirouette zu machen ist. Tea führt aus, was ihr die Stimme aufträgt, weil sonst etwas Katastrophales passieren könnte.

Es gibt viele unterschiedlichen Formen von Zwangsstörungen: Zwanghaftes Waschen, zwanghaftes Kontrollieren, zwanghaftes Sammeln, zwanghaftes Kaufen oder der Zwang zur Symmetrie. 43 Prozent der Bevölkerung erleben Zwangsstörungen im Jugendalter; in nicht einmal der Hälfte aller Fälle bilden sie sich ohne Behandlung zurück.

Aufmerksamkeit macht alles schlimmer

Noch viel stärker beeinträchtigt sind Menschen, die vom Tourette-Syndrom betroffen sind. Sie erleben oft Ausgrenzung in ihrem Alltag. Mit ihren unkontrollierbaren Bewegungen und Ausrufen ziehen sie die Blicke der Umgebung auf sich, was die Symptome meist noch verschlimmert. Ein Teufelskreis, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Nur wenigen Betroffenen gelingt es, sich ein beinahe «normales» Leben einzurichten.

«Wir sind nicht verrückt. Uns ist alles bewusst bis kurz davor, aber dann können wir es nicht zurückhalten», sagt Tamara, die erst seit einer nicht ungefährlichen Operation am Gehirn wieder Lebensfreude empfindet.

Artikel zum Thema

Mehr zum Thema