Antibiotikaresistenz geht alle etwas an

Je mehr Antibiotika gebraucht werden, desto grösser ist die Gefahr, dass ein Bakterium resistent wird. Das bedeutet: Ärzte müssen weniger Antibiotika verschreiben, Landwirte weniger einsetzen und Pharmafirmen neue entwickeln. Aber auch wir Patienten können etwas tun.

Farbige Bakterien-Kolonien in Petrischalen.
Bildlegende: Hübsch anzusehen. Allerdings sieht man keinen Unterschied zwischen guten und schlechten Bakterien. colourbox.com

Andreas Kronenberg, Infektiologe und Leiter der nationalen Antibiotikaresistenz-Überwachung in Bern, gibt Tipps, wie potentielle Patienten mithelfen können, gegen die Antibiotikaresistenz anzukämpfen:

  • Nicht auf Antibiotika drängen: Studien zeigen, dass Patienten Antibiotika verlangen, obwohl diese nicht wirken. Bei viralen Infekten, wie der Grippe, der Erkältung oder der Bronchitis, nützen Antibiotika nicht.
  • Dem Arzt vertrauen: Antibiotika nur so lange und in der Dosierung nehmen, die der Arzt empfiehlt. Ist noch ein Rest vorhanden, soll man diesen in die Apotheke zurückbringen.
  • Aufpassen im Ausland: Auch wenn kein Krankheitsgefühl vorhanden ist, besteht die Möglichkeit, dass man resistente Keime aus dem Ausland in die Schweiz schleppt und sich diese hier verbreiten. Wenn Sie nach einer Auslandreise krank werden, informieren Sie die Ärzte, wo sie waren. Ausserdem: Machen Sie planbare Operationen nicht im Ausland. Länder im Süden und im Osten haben eine höhere Resistenzrate als wir. Weltweiter Spitzenreiter ist Indien.
  • Händehygiene im Spital: Im Spital hat es besonders viele Keime und Bakterien – resistente und nicht-resistente. Hände hier darum besonders häufig desinfizieren.
  • Hygiene in der Küche: 60 bis 70 Prozent der Pouletproben in der Schweiz sind mit antibiotikaresistenten Bakterien besiedelt. Das Hühnerfleisch darum gut durchbraten und schauen, dass das rohe Fleisch nicht mit etwas in Berührung kommt, was Sie roh geniessen. Schneiden Sie das Pouletfleisch auf einem separaten Brett.
  • Hygiene mit den Haustieren: So gern Sie auch Ihre Katze, Ihren Hund oder Ihr Pferd haben, waschen Sie sich nach dem Streicheln die Hände richtig. Durch den direkten Kontakt kommen am meisten Bakterien von Tier auf Mensch.
  • Fleisch und tierische Produkte aus der Schweiz: Kaufen Sie in der Schweiz produziertes Fleisch und erkundigen Sie sich auch im Restaurant danach. Hier können Sie davon ausgehen, dass die Antibiotika richtig eingesetzt worden sind. Aussereuropäische Länder wie amerikanische und südamerikanische Länder oder China benutzen Antibiotika unkritischer als wir und setzen sie teilweise auch als Wachstumsförderer ein.

Geht es um die Antibiotikaresistenz, sprechen Experten von «der grössten Bedrohung für unsere Gesundheit». Dabei ist es natürlich, dass Bakterien gegen Antibiotika Resistenzen entwickeln. Man hat schon in abgelegenen Höhlen und tiefem Eis Bakterien gefunden, die gegen moderne Medikamente resistent sind.

«Das ist Darwinismus», sagt Andreas Kronenberg, Infektiologe und Leiter der nationalen Antibiotikaresistenz-Überwachung in Bern. Das Bakterium wolle überleben, kämpfe gegen das Antibiotikum an und entwickle eine Resistenz.

Wenn die Lungenentzündung lebensbedrohlich wird

Doch diese Entwicklung kann unsere Gesundheit gefährden. Experten der Eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit rechnen vor, dass die antibiotikaresistenten Keime pro Jahr mehrere hundert Personen töten und damit gleich viele Opfer wie der Strassenverkehr fordern.

Macht uns nämlich ein Bakterium krank und ist dieses gleichzeitig resistent, können gewöhnliche Antibiotika nichts mehr dagegen tun. So wird die Lungenentzündung schnell zur Lebensbedrohung.

Redaktion: Brigitte Wenger