Fernsehen: Digital wird ganz normal

Über 2 Millionen Schweizer Haushalte schauen heute schon digitales Fernsehen. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zum Einstieg in die schöne neue digitale Fernsehwelt.

Der Sprung vom analogen zum digitalen Fernseh-Bild ist vergleichbar mit der Umstellung vom Schwarzweiss- aufs Farbfernsehen.
Bildlegende: Der Sprung vom analogen zum digitalen Fernseh-Bild ist vergleichbar mit der Umstellung vom Schwarzweiss- aufs Farbfernsehen. Colourbox

Erst kam Cablecom, dann zog Swisscom nach: Beide heben die Verschlüsselung für ihr digitales Basisangebot auf. Cablecom-Kunden können sich freuen: Wer einen Fernseher mit DVB-C-Tuner hat, muss nur noch sein TV-Gerät und mit der Kabelbuchse verbinden und braucht keine Set-Top-Box mehr, um die Signale zu entschlüsseln (für ältere TV-Geräte verspricht Cablecom einen Gratis-Receiver, der die DVB-C-Signale umwandelt).

Nicht auf die Set-Top-Box verzichten können die Abonnenten der Swisscom: Weil die Programme dort nicht übers Fernsehkabel, sondern per Internetleitung übertragen werden, ist weiterhin eine Box zum Entschlüsseln notwendig. Diese gibt die Swisscom aber gratis an Kunden mit Festnetzanschluss und Internetzugang ab.

Gratis heisst nicht wirklich gratis
Allerdings: Wirklich gratis sind beide Angebote nicht. Für das Swisscom-Angebot ist mindestens ein DSL-mini-Internetabonnement nötig, das monatlich 34 Franken kostet. Bei der Cablecom bleibt die Grundgebühr bestehen, die mit fast 30 Franken pro Monat im Vergleich zu anderen Kabelnetzbetreibern recht hoch liegt (weil diese Gebühr in vielen Fällen direkt über die Miete abgerechnet wird, bleibt sie oft unbemerkt).

Neben den beiden grossen Cablecom und Sunrise gibt es aber auch kleinere Kabelanbieter wie zum Beispiel Quickline, die ihr Programm schon lange unverschlüsselt ausstrahlen. Auch Sunrise hat ein Digital-TV-Angebot, das bis auf weiteres allerdings noch verschlüsselt wird.

Bessere Qualität, mehr Auswahl
Digitales Fernsehen bietet viele Vorteile: Bild- und Tonqualität sind besser und die einzelnen Kanäle brauchen weniger Bandbreite. Dadurch vergrössert sich das Senderangebot ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des richtigen Anbieters bzw. des richtigen Abonnements.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Zahl der angebotenen Sender, sondern auch welche Sender dabei sind und welche davon in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Hier muss man bei den Gratis-Angeboten Abstriche machen. Swisscom etwa zeigt viele deutsche Sender nur in Standard-Qualität, auch bei Cablecom fehlen Pro7 und Sat1 als HD-Sender. Einen Überblick über das Senderangebot (das je nach Region unterschiedlich sein kann) erhält man am besten auf den Internetseiten der jeweiligen Anbieter.

Nicht nur in Sachen Senderauswahl muss man bei den Gratis-Angeboten Abstriche machen. Auch Dienste wie das Aufnehmen von Sendungen oder Video-on-Demand (Filme auf Abruf) sind ohne Set-Top-Box nicht machbar.

Analog ist ein Auslaufmodell
Auch wen die neuen «Gratis»-Digital-Angebote nicht zu locken vermögen, wird sich über kurz oder lang vom analogen Fernsehen verabschieden müssen. Der Bundesrat hat den «geordneten Ausstieg» beschlossen: Sobald ein «hoher Anteil der Haushalte» digitales Fernsehen konsumiert, werden die Programmanbieter von der Pflicht befreit, knapp 20 in- und ausländische Sender auch noch auf analogem Weg zu verbreiten.

Die Anbieter sind bereit, diesen Weg so schnell als möglich zu gehen. Denn die digitalen Sender sparen ihnen nicht nur Bandbreite, sie ermöglichen mit Diensten wie Video-on-Demand oder dem Kauf von Sportereignissen auf Abruf auch zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Der Entscheid, digitale Sender künftig unverschlüsselt auszustrahlen ist denn auch vor diesem Hintergrund zu sehen.

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Jürg Tschirren