Wie erkennt man Sehbehinderungen?

Fachleute gingen bisher davon aus, dass in der Schweiz 80‘000 bis 100‘000 Menschen mit Sehbehinderung leben. Tatsächlich dürften es aber vier Mal mehr sein. Ein Grund dafür: Oft werden Sehbehinderungen gar nicht erkannt, verneint oder kaschiert.

Mit Früherkennung und kompetenter Beratung lässt sich die Lebensqualität steigern.
Bildlegende: Mit Früherkennung und kompetenter Beratung lässt sich die Lebensqualität steigern. SZB

Generell kann gesagt werden, dass ältere Menschen eher an einer Sehbehinderung leiden als jüngere. Unter den Kindern und Jugendlichen sind schätzungsweise ein halbes Prozent sehbehindert.

Bei den 20 bis 39-Jährigen sind 1,3 Prozent von einer Sehschädigung betroffen. Bei den 40 bis 59-Jährigen sind es 3,7 Prozent und bei den 60 bis 79-Jährigen bereits 8,9 Prozent. Gar bei 20,5 Prozent liegt der Anteil Sehbehinderter bei Menschen über 80 Jahre. Bei den über 90-Jährigen ist fast die Hälfte sehbehindert (Quelle: Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen).

Oft werden Sehbehinderungen gar nicht erkannt:

- Kinder und Jugendliche mit einer Sehbehinderung gehen z.B. öfters einer Wand entlang, weil sie sich so besser orientieren können und sich sicherer fühlen.

- Ältere Menschen verlassen gerne bei Dämmerung das Haus nicht mehr, weil sie sich dann zu unsicher fühlen. Dahinter kann eine Sehbehinderung (z.B. Nachtblindheit) stecken.

- Bei älteren Menschen wird vermutlich eine Sehbehinderung nicht selten mit dem Beginn einer Demenz verwechselt. So machen sie beim sogenannten «Uhrentest» nicht Fehler, weil sie dement sind, sondern weil sie ein eingeschränktes Blickfeld haben.

Moderation: Sandra Schiess, Redaktion: Christine Schulthess