Dichter trommeln für den Krieg

  • Montag, 24. März 2014, 10:03 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 24. März 2014, 10:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 24. März 2014, 22:06 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal sind grosse Namen am deutschen Literaturhimmel. Die drei verbindet jedoch auch eine dunkle Seite: Sie gehören zu den Dichtern, die sich 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs von der damaligen Kriegsbegeisterung mitreissen liessen.

Thomas Mann
Bildlegende: Auch Thomas Mann hielt den Krieg für notwendig. Keystone

Sie stimmten in ihren Schriften in das säbelrasselnde Getöse ein und blendeten dabei die grauenhaften Folgen des Krieges, das millionenfache Sterben und das damit verbundene grenzenlose Leid aus. Wie kommt es, das Schriftsteller gleich reihenweise auf Abwege geraten, wie dies im Zuge des Ersten Weltkriegs geschehen ist in Deutschland aber auch anderswo?

Felix Münger präsentiert in «Reflexe» eine Auswahl von Texten aus dem damaligen Deutschen Reich und aus Österreich-Ungarn. Die Germanistikprofessorin Sabine Schneider von der Universität Zürich analysiert sie und legt dar, dass die Schriftsteller weniger von nationalistischen Motiven getrieben war. Vielmehr habe die irrige Vorstellung einer kulturellen Schlacht im Vordergrund gestanden: Beim Krieg handle es sich um eine Auseinandersetzung zwischen der angeblich erhabenen «deutschen Seelentiefe» gegen den als dekadent verunglimpften «französischen Rationalismus».

Autor/in: Felix Münger