Themenmorgen: «Das Theater mit Tell»

Ob Wilhelm Tell je gelebt hat, ist bis heute nicht klar. Seine Symbolkraft wirkt dennoch ungebrochen weiter. So wird gerade in diesem Jahr auf der Bühne die Heldengeschichte gleich mehrfach neu erzählt. Hat Tell uns heute noch etwas zu sagen?

Spätestens in den 1980er-Jahren des 20. Jahrhunderts bewies die historische Forschung, dass die Befreiungssage der Schweiz zum grössten Teil ein Mythos ist.

Das trifft vor allem für den Helden Wilhelm Tell zu. Sein berühmter Apfelschuss stammt vermutlich aus dem Fundus mittelalterlicher Wandersagen.

Das Standardwerk zu Tell, seine «Biografie», wurde 1988 vom bekannten Historiker Jean-François Bergier publiziert. Nicht zufällig fiel damals die Entmystifizierung des Nationalhelden zusammen mit dem Zerbrechen der Nachkriegsblöcke, mit dem Ende des Kalten Kriegs.

Trotz dieser Entmystifizierung ist die Wirkungsgeschichte Tells nicht abgeschlossen, zumal viele Symbole in dieser Figur eingeschrieben sind, wie das des Widerständlers, des Meisterschützen und des Tyrannenmörders.

Im Themenmorgen diskutieren die Historiker Guy Marchal und Thomas Maissen darüber, was der Stoff heute hergibt, ausgehend von drei aktuellen Theateraufführungen: «Wilhelm Kasperli Tell», ein Figurentheater für Kinder, der Mythentausch «Tell/Zahhak» von Mass&Fieber mit der iranischen Theatergruppe Don Quixote, sowie «Wilhelm Tell. Das Original» am Zürcher Theater Neumarkt.

Buchtipps
Jean-François Bergier: Wilhelm Tell. Realität und Mythos. Zürich 2012. Römerhof Verlag
Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz. Baden 2010
Thomas Maissen: Schweizer Geschichte im Bild. Baden 2012
Guy Marchal: Schweizer Gebrauchsgeschichte: Geschichtsbilder, Mythenbildung und nationale Identität. Basel 2006

Autor/in: Markus Gasser, Kaa Linder, Sabine Bitter, Jean-Luc Wicki, Michael Schwendimann