«Dr Fröschu», «s Rüpfli» oder: Übernamen sind auch Glückssache

Mindestens einen Übernamen hat wohl jede und jeder, und sei es nur, dass aus dem Vornamen «Jakob» der «Schaggi» wird. Auch Schimpfnamen braucht man gelegentlich, dann zum Beispiel, wenn man über einen Vielschwätzer als «Schwafli» oder über eine Vielschwätzerin als «Plaudertäsche» spricht.

Ausschnitt aus Buchcover «Teiggaff, Tüpfi, Tumme Siech»
Bildlegende: Ausschnitt aus Buchcover «Teiggaff, Tüpfi, Tumme Siech» SRF

Woher kommt diese Vorliebe, einen Übernamen wie «dr Schwiigadeglanz» für einen Bauern mit sauberem Stall zu kreieren oder für jemand Ungeschicktes den Schimpfnamen «Trampeltier» zu benutzen? Welche Funktionen haben Kosenamen wie «s Büsi» in der Familie, «s Gnagi» im Freundeskreis oder «dr Kino-Toni» im Dorf? Was passiert, wenn ein familiärer Übername wie «dr Muffli» plötzlich in der Öffentlichkeit gebraucht wird? Welche Schimpfbezeichnungen schaffen es aus dem privaten Sprachgebrauch ins Wörterbuch und warum?

Die Wissenschaft vom Schimpfen und Fluchen

Übernamen und Schimpfnamen sind ein ganz wichtiger Teil der Sprache,  deshalb interessiert sich die «Malediktologie», die Wissenschaft vom Fluchen und Schimpfen, seit langem dafür. Schimpfnamen beziehen sich auf tatsächliche oder vermeintliche Eigenschaften der so Bezeichneten. Übernamen gehen meistens auf Situationen und Erlebnisse aus der Kinder- und Schulzeit zurück. Die Luzerner Linguistin Helen Christen, Professorin an der Universität Freiburg im Üechtland, beobachtet und analysiert solche Personenbezeichnungen im Schweizerdeutschen schon seit Jahrzehnten.

Ist «Gumsle» schlimmer als «Lappi»?

Ein besonderes Augenmerk hat sie in ihren Untersuchungen auf geschlechterspezifische Unterschiede beim Beschimpfen geworfen: Gibt es wirklich mehr Schimpfwörter für Frauen als für Männer und sind Schimpfwörter für Frauen wirklich ehrverletzender als solche für Männer? Und wie ist es genau mit der Anrede «s Vreni» anstatt «d Vreni»: Ist das abwertend oder nicht? Auf die meisten der gestellten Fragen gibt Helen Christen im Interview schlüssige Antworten.

Sicher ist: Ob ein Schimpfname, ein Übername oder eine Anrede als abwertend empfunden wird, entscheidet meist die dahinterstehende Haltung des Sprechers beziehungsweise der Sprecherin, sie zeigt an, ob das Wort anständig oder unanständig gemeint ist.

Literatur:

Andreas Lötscher: Lappi, Lööli, blööde Siech! Schimpfen und Fluchen im Schweizerdeutschen. Huber-Verlag 1980

Luise Frei: Die Frau. Scherz-, Schimpf- und Spottnamen. Mit einem Vorwort von Laure Wyss. Huber-Verlag 1981

Martin Müller: Amedisli. Frau und Mann im Schweizerdeutschen. Eine Wörtersammlung. Huber-Verlag 2002

Fritz Kamer: Teiggaff, Tüpfi, Tumme Siech. Schimpfen und Fluchen im Schweizerdeutschen. Huber-Verlag 2003

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Markus Gasser