Guy Krneta «Unger üs». Schnabelweid Sommerlesung 1

Ein junger Mann blättert im Familienalbum und erinnert sich: Wie der Grossvater seine Familie zu Kuchen und Kaffee einlädt, und wissen will, ob er das Familiengrab um weitere fünfundzwanzig Jahre verlängern soll. Wie er die RS verweigert und ihn die Mutter nach Genf ins Gefängnis fährt.

Rote Backsteinmauer und Fenster mit Gitter
Bildlegende: colourbox

«Unger üs» ist ein Spoken-Word-Roman in Mundart des Berner Autors Guy Krneta. Es ist ein Gesellschaftsroman aus der Schweiz der 80er Jahre und er trägt den Untertitel «Familienalbum».

In satirischen, aber auch sehr bewegenden Szenen schildert Krneta Momentaufnahmen aus der Geschichte einer Schweizer Familie. Vom Grossvater, einem liebenswerten Polteri. Vom «Unggle Sämi», der das Bratwurtsjoghurt erfunden haben will und den pubertierenden Erzähler ins Puff einlädt. Von der Cousine Vivienne, die 11 Sprachen spricht, dafür kein Gefühl mehr für ihre Heimat hat. Und natürlich vom jugendlichen Erzähler selber, der als Militärdienstverweigerer im Gefängnis sitzt.

«Unger üs» lesen oder hören ist ein bisschen wie in einem Fotoalbum blättern. Man merkt den Texten an, dass sie für die Bühnenperformance verfasst worden sind: Sie sind auf Klangwirkung hin geschrieben, mit viel Rhythmus und Witz. Dazu klingen Gitarre und Ukulele, gespielt vom feinsinnigen Musiker Balts Nill.

Moderation: Mike La Marr, Redaktion: Buschi Luginbühl, Markus Gasser