I de Bar «A d Schnore» mit Papst & Abstinenzler

Dem heimatsüchtigen Mundartpop fährt die Schaffhauser Band «Papst & Abstinenzler» mit düsteren Balladen und melancholischem Endzeitrock an den Karren.

Papst & Abstinenzler
Bildlegende: Papst & Abstinenzler Tabea Hüberli

«Musig us de Schwiiz isch wie drei Täg alts Brot», singt Jürg «Odi» Odermatt, eingelullt von süssem Schrummelgitarren-Pop. Pure Ironie: Der Sound klingt genau nach dem, was der Text bemängelt. Kritik an der Schweizer Musikszene, in der sich ein Umweltschutzrapper werbewirksam tummelt und einer mit einer Windel auf dem Kopf Stuss erzählen darf. Keine Namen bitte! Sie selber verstehen sich als Querschläger in dieser Szene, sinnbildlich der Song «Geischterfahrer» aus dem letzten Album, mit der Botschaft an die Welt: «Fahred eifach wiiter falsch».

Its only Rock'n'Roll...

Aber das ist keine Pose, sondern zumindest bei Sänger Odermatt aus der Kindheit und Jugend ererbt: Rockmusik hat eine Haltung zu transportieren und soll nicht konfektioniert sein. Bei Papst & Abstinenzler dient die Musik den melancholisch-lyrischen Texten. Das macht den Sound der Band variabel: «Blues- und Chanson-Anleihen, Krautrock-Motorik und Eighties- Twang, Lo-Fi-Pop und beatleske Sixties-Melodien, Indiepop und stoisches Geschrammel aus der Velvet-Underground-Schule». So versucht die Band selber ihren Sound zu fassen und von all dem findet sich etwas auf «Bar A d Schnore».

Liebeslieder und Weltuntergangsstimmung

Odermatts Texte sind lakonische Momentaufnahmen aus einer Endzeit: «Niemmer hät än Ahnig, werum und niemmer weiss, wodure... Mir sind glaub nid würkli tumm, aber mir schtönd do wenä Härdä Schoof im Ggröll». Das Etikett «Weltuntergangspoesie» lehnt er allerdings ab. Es habe eigentlich einige Liebeslieder auf dem neuen Album. Tatsächlich versteckt sich oft und ganz scheu irgendwo ein «du». Und die berührende Poesie in den Texten ist nicht zu leugnen. Auch nicht in den düsteren Nummern wie «Schwarzi Nacht» oder «Bahnhof ohni Gleis». Dieser Song wirkt übrigens wie eine konsequente Fortsetzung von Mani Matters «Lied vo de Bahnhöf»: Fehlen hier die Züge, hat es doch nicht einmal mehr Gleise.

In der Sendung stellt sich Jürg Odermatt humorvoll und pointiert den Fragen zu seinem musikalischen und lyrischen Wirken.

«Das Anna und ihr Hund»

Im Schnabelweid-Briefkasten wird unter anderem die Frage erläutert, ob die sächliche Anrede für eine Frau - «s Anna» bzw. «äs» - richtig oder falsch ist. Wer gerne an einem laufenden Projekt an der Universität Freiburg teilnehmen möchte und Auskunft geben möchte über den eigenen Gebrauch von «sie» bzw. «äs» - folgender Link führt zum Forschungsprojekt: «Das Anna und ihr Hund - Weibliche Rufnamen im Neutrum»

CD-Tipp

  • Papst & Abstinenzler: Bar «A d Schnore». Patient Records 2017. Auch als LP erhältlich.

Moderation: Mike La Marr, Redaktion: Markus Gasser