Mundart in der Literatur ist nicht unbedingt Mundartliteratur

«Deutschschweizer Literatur zwischen Mundart und Hochsprache» heisst eine wissenschaftliche Tagung, die Mitte Oktober an der Universität Basel stattfand.

Ausschnitt Holzstich von Emil Zbinden.
Bildlegende: Ausschnitt Holzstich von Emil Zbinden. Archiv Emil Zbinden, Graphische Sammlung, Schweizerische Nationalbibliothek, Bern

Literaturwissenschaftler, vornehmlich aus der Schweiz, referierten und diskutierten über die Rolle der Mundart im Werk von Jeremias Gotthelf, Friedrich Glauser, Robert Walser und weiteren.

Deutlich wurde dabei, dass ihre «Zweisprachigkeit» Deutschschweizer Schriftstellern eine reiche Palette von Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Dialektwörter oder auch ganze Sätze werden eingesetzt, um Realität oder Lokalkolorit «fadegrad» herzustellen, um Personen «träf» zu charakterisieren, um Emotionen «süüferli» zu wecken.

Stallgeruch des Dialekts

Das Spannungsfeld zwischen Mundart und Hochsprache beschleunige die Sprachproduktion, war zu hören. Die Seele vieler Deutschschweizer Schriftsteller ist vielleicht gespalten, weil sie sich entscheiden müssen zwischen Provinzialität und Authentizität.

Anders gesagt: Sie stehen vor der Frage, ob sie den Stallgeruch des Dialekts akzeptieren können, obwohl sie damit an Weltläufigkeit einbüssen.

Begleitet wurden die Fachreferate von einer Abendveranstaltung mit Pedro Lenz, der aus seinem Roman «Dr Goalie bin ig» vorlas, und Raphael Urweider, der aus seiner Übersetzung «Der Keeper bin ich» las.

In der Schnabelweid kommen sowohl die Wissenschaftler wie auch die Künstler zu Wort.

Redaktion: Markus Gasser