«Vo s Lunzifranze und em Ludiseppedurslisjoggi»

Was steckt hinter «Dr Grüngefranz» oder «s Lunzifranze»? Die Schnabelweid geht alten Familien-Zunamen in den Dörfern Nunningen SO und Villmergen AG auf die Spur.

Schwarzbubenbrunnen in Nunningen
Bildlegende: Schwarzbubenbrunnen in Nunningen Paebi / Wikimedia
Das Phänomen war bis in die Mitte des 20. Jahrhundert allgemein verbreitet: In den Dörfern der Deutschschweiz gab es jeweils einige wenige alteingesessene Familien. Ausserdem war der Vornamenbestand für den Nachwuchs begrenzt, weil die Kinder in der Regel nach dem Vater oder der Mutter benannt wurden.
 
Der Gleichnamigkeit aus dem Weg gehen
Um der Gleichnamigkeit von Individuen, die daraus resultierte, zu entkommen, entstanden die Zunamen oder Dorfnamen. «Dr Grüngefranz» - Franz vom Hof Grünge. «s Lunzifranze» - die Sippe von Franz, dem Sohn von Leontius.
 
«häi tue»
Heute sind diese dörflichen Namen-Netzwerke, mit deren Hilfe man jeden Einheimischen «häi tue» konnte, am Verschwinden. Die Dörfer sind durch Zuwanderung unübersichtlicher geworden. Der Fundus der Vornamen ist so gross geworden, dass es kaum noch Gleichnamigkeit gibt.
 
Guckfensterchen in die Vergangenheit
Die Familien-Zunamen sind aber eine Art immaterielles Kulturgut - sie erzählen von den sozialen Verhältnissen einer versunkenen Zeit. Jetzt, solange die Erinnerung an die Zunamen noch lebendig ist, entstehen deshalb immer häufiger Sammlungen und Publikationen dazu, meist auf Basis von Laien- und Freiwilligenarbeit. Zwei solche Bücher und ihre Macher - «Nunniger Dorfnämme» von Albert Pflugi und Liliane Müller-Hänggi und «Villmerger Zunamen. Eine Spurensuche» von Otto Walti - werden in der Schnabelweid vorgestellt.
 
Buchtipp
  • Villmerger Zunamen. Eine Spurensuche von Otto Walti. Sprüngli Druck AG, Villmergen, 2011
  • Albert Pflugi und Liliane Müller-Hänggi: Nunniger Dorfnämme. Eigenverlag Verein Dorfmuseum Nunningen 2016

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Markus Gasser