Im Schatten der Burg Mit dunklen Bienen auf Du und Du

Auf dem Bauernhof in Oensingen kümmert sich Familie Dietschi auch um ein Bienenvolk – wie anno 1517.

Auf dem Bauernhof der Familie Dietschi finden sich nicht nur Schweine, Geissen und Hühner. Wie es 1517 gang und gäbe war, ist auch eine ganz besondere Art «Geflügel» vertreten: Bienen.

Vom erwirtschafteten Honig wird die Familie nach Abzug der Zehntenabgabe an die weltliche Obrigkeit einen Teil behalten dürfen, das Wachs hingegen geht vollumfänglich an den Pfarrer. Bienenwachs galt im Mittelalter als heilig und wurde mit Vorliebe zur Herstellung von Sakralkerzen verwendet – und die Kirche hatte einen riesigen Bedarf. So sollen zu Zeiten Luthers alleine in der Schlosskirche Wittenberg jährlich 36'000 Pfund Wachs verbrannt worden sein.

Körbe wie im Mittelalter

Die Bienen der Dietschis werden in Körben gehalten, die von Imker Eugen Bühlmann nach mittelalterlichem Muster aus Nielen und Stroh angefertigt wurden: «Ein Korb ist wesentlich handlicher als eine Klotzbeute, bei der die Bienen in einem abgeschnittenen hohlen Baumstamm gehalten werden», erklärt er die Wahl.

Dank des geringen Gewichts können die Körbe auf einem Wandbrett direkt am Bauernhaus aufgestellt werden. Damit die Bienen ausreichend vor Wind und Wetter geschützt sind, wird als Isolationsschicht eine ganz spezielle Salbe aufgetragen: «Zur Hauptsache ist das Kuhmist, vermischt mit Lehm und etwas Asche», erklärt Bühlmann. «Die Asche bindet und neutralisiert etwas den Geruch.»

Worüber sich die erwachsenen Dietschis zweifellos freuen werden, denn das besagte Brett mit den Körben hängt an der Rückwand des Elternschlafzimmers.

Darstellung mittelalterlicher Bienenkörbe im «Taccuino Sanitatis»

Bildlegende: Bienen wurden seit jeher zur Honig- und Wachsgewinnung gehalten. Im Mittelalter gerne in geflochtenen Körben. gemeinfrei

Robust und wehrhaft

Auch der Korbinhalt entspricht dem Alltag von 1517: Die robuste Nordbiene oder «dunkle Biene» (Apis mellifera mellifera) ist das hiesige Klima mit kalten Wintern gewohnt, kommt im Frühjahr etwas langsamer auf Touren und ist dafür im Sommer umso ergiebiger. Allerdings zeigt sich die Widerstandskraft der uralten Bienenrasse auch darin, dass sie als vergleichsweise stechlustig gilt.

Man darf gespannt sein, wie die Zeitreisenden damit zurechtkommen – speziell bei der Ernte. Die verläuft nach mittelalterlichem Muster nämlich einigermassen rustikal: «Die Bienen wurden damals mit Trommeln aus dem Korb gescheucht, möglichst in einen anderen Korb», weiss Imker Bühlmann. «Dann wurde der leere Korb geplündert. Die Waben wurden herausgebrochen und der Honig aus den Waben gepresst.»

Wie viel Honig und Wachs das schliesslich ergibt, hängt nicht zuletzt von den Wetterverhältnissen ab. Mit gut acht Kilo darf aber wohl gerechnet werden.

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