Es Dach überem Chopf

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Kleider machen Leute, aber eine Wohnung prägt genauso sehr. Wer anständig haust, wird auch ein anständiger Mensch. Kurt Früh hat diesen Zusammenhang 1962 im Spielfilm «Es Dach überem Chopf» am Beispiel der leicht verwahrlosten Familie Caduff auf charmante Weise demonstriert.

Balz Caduff (Zarli Carigiet), verheiratet mit Vreni (Valerie Steinmann), ist ein Kleinbauer aus dem Bündnerland, der in die Stadt abgewandert ist. Hier hat er es zu sechs Kindern, aber auf keinen grünen Zweig gebracht. Er haust in einer Notbaracke und ist bei manchen Nachbarn unbeliebt, weil er seinen Ärger gerne im Alkohol ertränkt. Dazu ist er ein Polterer, der mit roher Faust das Glück leider nicht immer im Haus halten kann.

Wie die Fee aus dem Märchen erscheint eines Tages der Hausbesitzer Frehner (Willi Fueter) bei den Caduffs und offeriert ihnen für 100 Franken eine Traumwohnung samt Mansarde am Zürichberg. Der unsoziale Haken an der edlen Tat: Die lärmigen Caduffs sollen Herrn Eidenbenz (Heinrich Gretler) und seine Frau (Walburga Gmür), ein sehr anspruchsvolles Mieterpaar, so sehr ärgern, dass sie freiwillig wegziehen. Was allerdings als Knalleffekt geplant war, wird zum Rohrkrepierer: Die Caduffs entwickeln sich umgehend zu Mustermietern und sind bald im nachbarlichen Umfeld so gut aufgehoben, dass sie sogar kleinere, aber durchaus lautstarke Krisen unbeschadet überstehen.

Die Idee zu «Es Dach überem Chopf» hatte der Schauspieler und legendäre Sportreporter Jean-Pierre Gerwig, angeregt durch Akten des Wohnungsamtes. Zusammen mit Kurt Früh schuf er aus der in den Grundlagen wahren Geschichte erst fünf halbstündige Radiofolgen, die mit grosser Beachtung ausgestrahlt wurden. Der Film, der darauf entstand, hatte gleich drei renommierte Produzenten (Max Dora, Kurt Früh und Lazar Wechsler), dafür ein minimales Budget und schwierigste Produktionsbedingungen. Gedreht wurde bei eisiger Kälte in einem Schopf bei Oerlikon.

Die Hauptrolle des kleinen Bündner Bauern, der aus Not in die Stadt gerät und hier beinahe unter die Räder kommt, hatte Kurt Früh dem Charakterdarsteller Zarli Carigiet (5.8.1907 bis 6.5.1981) auf den Leib geschrieben. Zarli war der jüngere Bruder des Malers und Grafikers Alois Carigiet («Schellen-Ursli»), dem er in den 1930er-Jahren nach Zürich folgte. Dort wurde der 26-jährige Dekormaler und Lebenskünstler Zarli vom Gründer des Cabarets «Cornichon» für die Bühne entdeckt. In den folgenden Jahrzehnten gehörte Zarli Carigiet zu den bekanntesten Schweizer Künstlern.