Matto regiert

Matto regiert

In einer Nervenklinik streiten der Direktor und sein Stellvertreter über Therapiemethoden. Am Tag nach dem Disput wird der Direktor tot aufgefunden. Wachtmeister Studer (Heinrich Gretler), bedächtig aber stur, verlässt sich bei den Ermittlungen auf seinen Instinkt und seine Menschenkenntnis.

Festlicher Abend in der Nervenklinik Randlingen: Doktor Borstli (Johannes Steier) kehrt nach längerer Abwesenheit auf den Direktorensessel zurück. Die Glückwünsche der Honoratioren, Ärzte, Pfleger und Patienten täuschen jedoch nicht über Spannungen im Anstaltsbetrieb hinweg.

Tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten trennen den Direktor und seinen Stellvertreter, Doktor Laduner (Heinz Woester), der die moderne Psychiatrie mit ihren therapeutischen Gesprächen gegen Doktor Borstlis Kasernenmethoden verteidigt. Die Heilung des Patienten Herbert Kaplaun (Olaf Kübler) betrachtet Borstli denn auch als Scharlatanerie und besteht auf der weiteren Internierung des jungen Mannes.

Starrköpfiger Pragmatiker

Am Tag nach der Feier findet man Herbert bewusstlos auf. Direktor Borstli ist spurlos verschwunden, wird aber später tot im Liftschacht entdeckt. Was ist geschehen? Ein Unfall oder Mord? Wachtmeister Jakob Studer (Heinrich Gretler), ein bodenständiger Pragmatiker, hat die Aufklärung des Falles übernommen.

Er zeigt sich unbeeindruckt von der Schilderung, die ihm Doktor Laduner gibt, und lässt sich nicht beirren von der Welt Mattos, der Welt des Wahns. Starrköpfig klärt er die Fakten und findet bald heraus, dass die Türsicherung am Lift in verbrecherischer Absicht manipuliert wurde.

Zwischen Wahn und Realität

Der Spielfilm «Matto regiert», mit dem Leopold Lindtberg 1946 nach Abstechern ins internationale Kino («Marie-Louise», «Die letzte Chance») zu einem schweizerischen Dialektstoff zurückkehrte, beruht auf dem gleichnamigen Kriminalroman des Schweizer Dichters Friedrich Glauser (1896 bis 1938).

Glauser, der sich stets als Aussenseiter fühlte, beschrieb eine Welt, die er aus eigener Anschauung kannte. Er wusste um das Leid der Depressiven, auch um die Unbarmherzigkeit mancher Ärzte und Betreuer, denn Gemütskrankheit und Morphiumsucht brachten ihn selber für längere Zeit in Nervenkliniken. Im Film wird seine Erzählung aus der Welt zwischen Wahn und Realität zum spannenden Krimi, aber auch zur Geschichte eines modernen Arztes, der veraltete Pflege- und Heilmethoden bekämpft.

Neustart nach dem Krieg

Bereits 1942, drei Jahre nach dem grossen Erfolg von «Wachtmeister Studer», begann die Praesens-Film in Zürich mit der Produktion von «Matto regiert». Auf Druck der Fremdenpolizei des Bundes wurde die Regie aber nicht dem Immigranten Lindtberg, sondern dem Schweizer Hermann Haller übertragen. Drehbeginn war im März 1943. «Eine Woche später wird die Produktion abgebrochen; Haller ist der Aufgabe nicht gewachsen», schreibt Hervé Dumont in seiner «Geschichte des Schweizerfilms».

Erst nach dem Krieg, als man wieder einen einheimischen Stoff suchte, kam Produzent Lazar Wechsler auf Lindtbergs Wunsch auf den Stoff zurück. Der Deutsche Alfred Neumann schrieb - zusammen mit Lindtberg - eine neue Drehbuchfassung. Für die Hauptfigur konnte man erneut Heinrich Gretler verpflichten, und in den weiteren Rollen ist die Garde der damaligen Film- und Theatergrössen zu sehen.