Wilhelm Tell

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Die Schweizer Geschichte par excellence, die Sage von Wilhelm Tell, geschöpft aus Quellen wie dem «Weissen Buch von Sarnen» und der «Schweizer Chronik» des Aegidius Tschudi. SRF 1 zeigt den aufwendig restaurierten Klassiker «Wilhelm Tell» zum Nationalfeiertag.

Im Kern gleicht die Geschichte selbstverständlich der Version von Friedrich Schiller: Rütlischwur, Apfelschuss, Hohle Gasse. Produzent Albert Kälin und Regisseur Michel Dickoff haben 1960 keinen Aufwand gescheut, um den mythischen Stoff für das Kino zu adaptieren. Sie drehten an Originalschauplätzen in Farbe und Breitwand und besetzten den Film mit der Crème der damaligen Schauspielergarde.

Terror in den Tälern der Innerschweiz. Die Habsburger knechten, die Einheimischen leiden und begehren schliesslich machtvoll auf, von Not getrieben und vom Grimm bewegt. 1291 schleichen die Boten durch die lauen Julinächte, am ersten August kommt es zum geheimen Bund der drei Landgemeinschaften auf der nächtlichen Waldwiese am Vierwaldstättersee. Ein Eid besiegelt das Bündnis, aus dem die Schweiz entstehen soll.
Aber weil für Gutes kein Platz auf Erden ist, schlagen die Vögte zur Strafe noch grimmiger zu, erfinden Schikanen wie den Hut auf der Stange in Altdorf, den man grüssen soll. Tell (Robert Freitag), der knorrige Verweigerer aus dem Hinterland, tritt auf, schiesst den Apfel vom Kopf des Sohnes und später den Pfeil in die Brust des Tyrannen Gessler (Wolfgang Rottsieper). Höhenfeuer brennen: Die Eidgenossen haben ihre Freiheit und ihren ersten Helden.
Zu Beginn der 1960er-Jahre waren in der Schweiz gleich zwei Filmprojekte mit dem Tell-Stoff in Arbeit. Franz Schnyder wollte mit kritischem Ansatz in «Tell, die Geburt der Freiheit» einen Helden zeigen, der von eigensüchtigen Hintermännern getäuscht und ausgenutzt wird. Anderseits war der Innerschweizer Geschäftsmann Josef Kälin bestrebt, einen Tell auf die Leinwand zu bringen, wie man ihn aufwendiger und teurer noch nie gesehen hatte. Die Opulenz obsiegte; die Produktionskosten stiegen in fünf Monaten Drehzeit von den geplanten anderthalb Millionen auf das Doppelte an. Allein die aus München herbeigeschaffte Beleuchtungsanlage kostete 300 000 Franken.
Die Darstellerliste liest sich wie ein Prominentenlexikon des damaligen Schweizer Theaters; selbst kleinste Rollen waren mit Publikumslieblingen besetzt. Doch die überrissenen Herstellungskosten konnte der Film in der Schweiz nicht wieder einspielen. Und als sich ein Rettungsengel in Gestalt der Sovexportfilm näherte, welche den Film in Russland auswerten wollte, schlossen in der Schweiz die Kalten Krieger ihre Reihen und verhinderten den Verkauf des Schweizer Freiheitshelden an die «roten Teufel».