Am Schalter der Gene – Susan Gasser, Genetikerin

Hat Erbgut ein Gedächtnis? Die Epigenetik versucht, diese Frage zu beantworten – und Susan Gasser gilt als Wegbereiterin dieses Forschungsgebietes.

Im Jahr 2001 wurde das Erbgut des Menschen, die DNA, vollständig entschlüsselt – ein grosser Erfolg des menschlichen Forschergeistes. Doch der Durchbruch im Bereich der Biomedizin war nur ein vermeintlicher, erklärt die Genetikerin Susan Gasser. «Nachdem wir das menschliche Erbgut entschlüsselt hatten, merkten wir, dass es nicht ausreicht, die Gensequenzen des Erbguts zu kennen.»

Die Erbinformation alleine liefert keine Erklärung, warum Menschen Krebs entwickeln, warum sie bestimmte Krankheiten haben oder weshalb verschiedene Menschen unterschiedlich reagieren auf Stress oder auf Umwelteinflüsse. Hier setzt die sogenannte Epigenetik an: Sie hilft zu verstehen, wie das Erbgut kontrolliert und vererbt wird – das Gedächtnis des Erbguts.

Die Epigenetik hat sich in wenigen Jahre vom Beschäftigungsfeld einzelner weniger Forschergruppen zu einem heissen Forschungsgebiet gewandelt. Kein Zufall auch, dass die Novartis mit Susan Gasser 2004 eine Wegbereiterin der Epigenetik als Direktorin des Friedrich-Miescher-Instituts nach Basel holte.

In Susan Gassers Labor werden epigenetische Zusammenhänge an Bäckerhefe und Würmern untersucht. An diesen Modellorganismen lässt sich die Vererbung über mehrere Generationen hinweg gut nachvollziehen. Auch äussere Einflüsse werden studiert, welche das An- und Abschalten von Genen beeinflussen – zum Beispiel der Einfluss unterschiedlicher Nährstoffe oder Temperaturen.
«Forschen ist eine ausgesprochen kreative Betätigung», betont Susan Gasser. «Wissenschaftler sind nicht selten Eigenbrötler, ein bisschen wie Künstler. Sie sind fast schon egoistisch. Aber mir entsprechen sie sehr. Ich bin glücklich.»