Die Wolkenfrau – Ulrike Lohmann, Atmosphärenphysikerin

Die weltweit führende «Wolkenforscherin» Ulrike Lohmann untersucht, welchen Einfluss der Feinstaub auf die Wolkenbildung hat. Und damit, wie in Zukunft die Temperaturen auf unserer Erde aussehen werden.

«Ich beschäftige mich mit allen Wolken, ganz egal, ob es die Wasserwolken sind, die Zirren oder die Gewitterwolken», sagt die Atmosphärenforscherin Ulrike Lohmann. «Am spannendsten sind die Gewitterwolken.» Ulrike Lohmann ist eine der weltweit führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Wechselwirkungen von Aerosolen mit Wolken und deren Wirkung auf das Klima.

Sie promovierte am Max-Planck-Institut in Hamburg. Im kanadischen Victoria bildete sie sich in Klimamodellierung fort und arbeitete als Professorin in Halifax. Seit 2004 leitet sie das Institut für Atmosphärenphysik in Zürich. Dass die ETH weltweit eine Pionierrolle in der Klimaforschung einnimmt, ist unter anderem Ulrike Lohmann zuzusprechen. Sie ist eine der Hauptautoren des letzten UNO-Klimaberichts IPCC, der mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Wolken sind einer der grossen Unsicherheitsfaktoren in den Modellen, mit denen Klimaforscherinnen und -forscher die globale Erwärmung prognostizieren wollen. Denn die Frage, ob es zukünftig mehr oder weniger bedeckten Himmel gibt, ist entscheidend für die Temperaturentwicklung auf der Erde.

Ulrike Lohmann erforscht den Einfluss, den Aerosole – landläufig auch als Feinstaub bekannt – auf die Wolkenbildung haben. «Daten aus Wolken gewinnen wir auf der Forschungsstation Jungfraujoch oder aus dem Flugzeug heraus», erklärt die Professorin. «Nass werde ich also höchstens auf dem Nachhauseweg», lacht sie. Selbst die tief hängenden Nimbostratus-Wolken hindern sie nicht daran, mit dem Velo an die ETH zu fahren. Der weitgehende Verzicht auf das Auto sei eine geradezu zwingende Konsequenz aus ihrer Arbeit, findet Ulrike Lohmann: «Ich fahre Velo und produziere keinen Feinstaub. Das ist gut für das Klima und für meine Gesundheit.»