Lob der Artenvielfalt – Martine Rahier, Insektenforscherin

Insekten und Pflanzen begleiten Martine Rahier auf ihrer gesamten wissenschaftlichen Laufbahn. Die gebürtige Belgierin studierte in Brüssel Agronomie, wechselte dann 1979 in die USA an die Cornell University in Ithaca, kam schliesslich nach Basel und ist seit 1994 in Neuenburg zu Hause.

In den USA entdeckte sie ihre Faszination für Insekten. Oder genauer: für die Interaktion zwischen Insekten und Pflanzen. «Hier spielt sich Entscheidendes ab», erklärt sie. «Denn unsere ganze Ernährung beruht auf Pflanzen, und die Insekten sind dabei unsere grössten Gegenspieler.»

Die alpine Blattkäfergattung Oreina wurde der Modellorganismus von Martine Rahiers Studien. Diese Käfer leben auf 1500 bis 2300 Metern Höhe auf verschiedenen Futterpflanzen und sind ideal, um die Interaktionen zwischen Pflanze, Käfer und Feinden des Käfers, zum Beispiel Vögel, zu studieren.

«Charakteristisch für diesen grün oder blau schimmernden Käfer ist etwa seine Fähigkeit, sich chemisch gegen seine Feinde zu wehren», erklärt Martine Rahier. «Dank dieses besonderen Schutzes hat er eine Lebenserwartung von zwei oder drei Jahren, was für ein Insekt relativ lang ist.»

Ihre Forschung hat Martine Rahier internationale Anerkennung gebracht. 2001 konnte sie den Nationalen Forschungsschwerpunkt «Plant Survival – Überlebenserfolg von Pflanzen» ins Leben rufen. Ziel ist es, die Biodiversität in Naturgebieten zu gewährleisten und Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft zu finden. Im Mai 2008 ist Martine Rahier zur neuen Rektorin der Universität Neuenburg gewählt worden. Sie ist die erste Frau in der Westschweiz, die einer Universität vorsteht.