Unter Orang-Utans – Carel van Schaik, Anthropologe

Unter Orang-Utans und Krallenäffchen: Der Primatenforscher Carel van Schaik macht die Universität Zürich zu dem Gravitationszentrum der Anthropologie, das es schon einmal war.

Hitze, Blutegel und Mücken muss Carel van Schaik ertragen, will er seine liebsten Forschungsobjekte in freier Wildbahn beobachten: die Orang-Utans von Suaq in Indonesien. Ihnen verdankt der Anthropologe seine zentrale These: Soziales Verhalten ist der Schlüssel für die Evolution von Intelligenz. In Suaq leben die Menschenaffen höchst sozial. Die Jungtiere schliessen sich zu Spielgruppen zusammen, die Erwachsenen sitzen friedlich beim gemeinsamen Mahl. Und was van Schaik am meisten überraschte: Die geselligen Affen von Suaq benützen Werkzeuge. Bei freilebenden Orang-Utans wurde das zuvor noch nie beobachtet.

Der gebürtige Holländer studiert seit über dreissig Jahren das Verhalten von Affen. Mit seiner Berufung an die Universität Zürich 2004 soll die Schweiz wieder zu dem führenden Zentrum der Primatenforschung werden, das sie einmal war. «Anfangs hat mich der Mensch dabei überhaupt nicht interessiert», lacht Carel van Schaik. Heute ist das anders: «Wollen wir verstehen, wie der Mensch zum Menschen wurde», sagt er, «müssen wir das Mosaik an Verhaltensweisen zusammensetzen, die in der Welt der Primaten vorkommen.»

Doch bei Menschenaffen findet sich kein spontaner Altruismus. Sogar die überaus sozialen Orang-Utans von Suaq bleiben im Kern Egoisten. Menschen dagegen ziehen ihre Jungen gemeinsam auf. Die Zürcher Forscher haben deshalb nach Affenarten gesucht, die eine ähnliche Jungenaufzucht kennen wie die Menschen. Fündig geworden ist Carel van Schaik bei den Krallenaffen. Und was die Anthropologen bei den südamerikanischen Äffchen gefunden haben, ist in der Tat erstaunlich und könnte sich wundersam passend in das Puzzle der menschlichen Verhaltensweisen einfügen.