Landsgemeinde Appenzell 1990: Nein zum Frauenstimm- und Wahlrecht

Am 29. Mai 1990 sagten die Männer an der Landsgemeinde in Appenzell ein letztes Mal Nein zum Frauenstimm- und Wahlrecht auf Kantonsebene. Einige Appenzellerinnen fanden das vollkommen in Ordnung, andere gingen bis vor Bundesgericht und bekamen Recht.

Schwarz-Weiss Fotografie mit vielen Menschen, die hinter einem gespannten Seil stehen.
Bildlegende: Die stimmberechtigten Bürger lehnen am 29. April 1990 an der Landsgemeinde von Appenzell Innerrhoden die Einführung des Frauenstimmrechts ab. Frauen und Besucher verfolgen von ausserhalb das Geschehen im Ring. Keystone

In der Schweiz verwehrten die Männer von Appenzell Innerrhoden den Frauen das Mitspracherecht auf Kantons- und Gemeindeebene am längsten. Vor 25 sprachen sie sich ein letztes Mal dagegen aus.

Machtwort aus Lausanne

Die Veränderung kam trotzdem und zwar von oben diktiert. Im November 1990 sprach das Bundesgericht ein Machtwort und beschloss: Auch im Kanton Appenzell Innerrhoden seien Menschenrechte wichtiger als Tradition. Im April 1991 war es dann soweit: An der Landsgemeinde in Appenzell hoben erstmals auch Frauen ihre Hand zur Stimmabgabe.

Archivperlen

Das letzte Nein zum Frauenstimm- und Wahlrecht in Appenzell Innerrhoden ist im Radioarchiv durch verschiedene Sendungen dokumentiert. Im «Sinerzyt» sind Stimmen zu hören aus der Sendung «Rendez-vous». Sie lassen einen verstehen, weshalb sich der Halbkanton so lange gegen das Frauenstimm- und Wahlrecht wehren konnte.

Moderation: Christine Gertschen, Redaktion: Bea Schenk