Probezeit im Altersheim

Henrik Rhyn will es genau wissen. Wie fühlt es sich an, wenn man ins Alters- und Pflegeheim umzieht? Also residiert er selber für ein paar Tage im «Chüeliwil». Seine Eindrücke sind sentimental und ergreifend.

Die Verantwortung an fremde Menschen abzugeben ist nicht immer einfach. Vor dem Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim scheuen sich demnach viele.
Bildlegende: Die Verantwortung an fremde Menschen abzugeben ist nicht immer einfach. Vor dem Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim scheuen sich demnach viele. Colourbox

Henrik Rhyn ist gerade 45 Jahre alt, als er 1985 im tiefsten Winter im «Chüeliwil» einzieht probehalber wohlgemerkt! Frau Seifang auf der «Abteilung Violett» wird seine Zimmernachbarin. 

Das eisige Wetter lässt keine Spaziergänge im Freien zu

Lieber wäre sie draussen, aber das geht nun einmal nicht. So sitzt sie nun im Gang und singt mit zittriger Stimme ein Lied über den Winter und die Vergänglichkeit des Seins. Beachtung findet sie dadurch keine. Viel zu geschäftig ist das Treiben in den Gängen. Ausserdem ziehen gerade die Geschwister Fellmann ein.

«So, als ob man das Liebgewonnene abstreifen muss»

Alles was ihnen von ihrem früheren Leben geblieben ist, sind ein Teppich, eine Stehlampe und jeweils ein Koffer voller Kleider. Sogar von Kanarienvogel Hansli mussten sie sich schweren Herzens trennen. Sowieso bedeutet der Umzug in ein Altersheim Abschied nehmen.

Henrik Rhyn ist hörbar ergriffen: «Die meisten Menschen hier, werden die letzten Tage ihres Lebens im Heim verbringen. Ich selber hoffe, dass mir dieses Schicksal erspart bleibt.»

 

Autor/in: daue, Redaktion: Henrik Rhyn