Seegfrörni auf dem Zürichsee 1963

Im Winter 1962/63 wurde Europa von einer Kältewelle heimgesucht. Die Nächte waren klirrend kalt und klar. Als Folge davon sind die Seen zugefroren, auch Zürich- und Bodensee. Die Bevölkerung hat das Jahrhundert-Ereignis genossen und sich auf den zugefrorenen Seen getummelt. 

Ein äusserst seltenes Bild: Menschen vergnügen sich auf dem zugefrorenen Zürichsee während der Seegfrörni Ende Januar 1963.
Bildlegende: Ein äusserst seltenes Bild: Menschen vergnügen sich auf dem zugefrorenen Zürichsee während der Seegfrörni Ende Januar 1963. Keystone

In der Sendung «Von Tag zu Tag» hat das Schweizer Radio von den Folgen der grossen Kältewelle in Europa berichtet. Bei den Meldungen aus der Schweiz ging es zum Beispiel um den Zoologischen Garten Basel, wo die Weiher zugefroren waren. Im Kanton Neuenburg kam es zu einer Verkehrsmisere. Bauern mussten ihre Tiere teils notschlachten, weil es aufgrund der Witterungsverhältnisse zu Futterengpässen kam. Dann waren natürlich der zugefrorene Boden- und Zürichsee Thema.

Als Redaktorin von Schweizer Radio hat Elisabeth Schnell 1963 einen Polizeiposten aufgesucht. Von Polizeiinspektor Bärtschi wollte sie wissen, wer für die Eismessungen zuständig ist und wer darüber entscheidet, wann der zugefrorene See für die Bevölkerung frei gegeben wird. Von Wachtmeister Müller hat sie erfahren, wie man bei der Umsiedelung von Wasservögeln vorgeht, die wegen des Eises ihr «zu Hause» verlieren. Die Zürcher Schwäne beispielsweise wurden vorübergehend auf die Limmat beim Zürcher Platzspitz umgesiedelt.

Seegfrörni Zürichsee von 1963

Ende 1962 kam es in der Schweiz zu einem grossen Temperatursturz. In den klirrend kalten und klaren Nächten sah man auch das Eis auf dem Zürichsee buchstäblich wachsen. Am 22. Januar 1963 mussten die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaften den Fährbetrieb Horgen-Meilen einstellen. Die Zürcher Seepolizei war damit beschäftigt, die Dicke des Eises zu messen und angefrorene Wasservögel zu befreien. Die bevorstehende Seegfrörni hat auch die fliegenden Händler auf den Plan gerufen. Sie holten sich Bewilligungen ein, um rund um den See Maroni, Grillwürste und heisse Getränke zu verkaufen. Schlittschuhe waren im ganzen Kanton Zürich ausverkauft.

Am 1. Februar 1963, um 12.00 Uhr, war es dann soweit: Die Eisfläche des Zürichsees wurde für die Bevölkerung frei gegeben. Am Rekordtag, dem 10. Februar 1963, waren laut Schätzungen 150'000 Personen auf dem zugfrorenen Zürichsee unterwegs. Während 35 Tagen konnten sie buchstäblich «übers Wasser» gehen. Dann wurde die Eisfläche auf dem ganzen Zürichsee wieder gesperrt. Bis Ende März löste sich die Seegfrörni still und leise wieder auf.

Autor/in: schb, Moderation: Martin Wittwer, Redaktion: Bea Schenk