«sportlounge»: Wie Afrika Fussball lebt

Der Fussball auf dem schwarzen Kontinent liefert unglaubliche Geschichten – die Gäste der «sportlounge» erzählen sie.

Fussball in Afrika ist Religion und eng mit Glauben und Aberglauben verbunden. Viele Teams beschäftigen einen Voodoo-Priester und halten vor dem Spiel Rituale ab, um erfolgreich zu sein. Alle Kinder träumen davon, einmal vom Fussball zu leben und ihren Familien-Clan ernähren zu können. Hat es ein Spieler von den staubigen Fussballplätzen in die grossen Arenen geschafft, wird er von der Bevölkerung verehrt. Nationalspieler müssen sich diverse Tricks einfallen lassen, um sich überhaupt noch frei im Land bewegen zu können. Am Ruhm des Fussballs teilhaben wollen viele. Korruption ist an der Tagesordnung und einer der Gründe, warum sich die Afrikaner bei einer WM noch nicht durchsetzen konnten.

Drei Gäste, die Afrika sehr gut kennen, erzählten uns Geschichten und beschreiben, wie Afrika Fussball lebt:
Otto Pfister, seit 38 Jahren Trainer in Afrika.
Alex Tachie-Mensah, ehem. Nationalspieler Ghanas, 230 Spiele für St. Gallen und Neuchatel Xamax.
Alain Gaspoz, Fussballer aus Benin mit Schweizer Pass, heute Junioren-Nationaltrainer in Benin.

Beiträge

  • Sechsmal den Modus gewechselt

    Fussball in Afrika ist in ganz vielen Details überhaupt nicht mit dem Fussball in Europa zu vergleichen. Jugendliche scheuen sich beispielsweise nicht, auf staubigen, mit scharfen Gegenständen übersäten Plätzen zu spielen. Alex Tachie-Mensah hat das in seiner Jugend in Ghana erlebt. Er selber stammt aus einer finanziell gut situierten Familie. «Um dennoch nicht als Aussenseiter zu gelten, habe ich mir jeweils die Hosen ein bisschen zerrissen», erzählt Tachie-Mensah.

  • Voodoo muss man einfach akzeptieren

    Eng zum Fussball gehören in Afrika die Voodoo-Rituale. Alain Gaspoz – sein Mutterland Benin zählt als Wiege des Voodoos – lässt derartige Rituale in seiner Mannschaft zu, solange die Vorbereitung auf ein Spiel nicht tangiert wird. «In der Planung muss ich diese Rituale immer in den Zeitplan miteinberechnen.» Als Europäer könne man diese Eigenheit nicht verstehen, sagt Otto Pfister, der selber schon diverse Rituale erlebt hat. «Das kann man nicht verändern, man muss sich da anpassen und es positiv beeinflussen.»

  • Wann gibt es den ersten afrikanischen Weltmeister?

    Bisher hat es noch keine afrikanische Mannschaft an einer WM-Endrunde über den Viertelfinal hinaus geschafft. Einen wichtigen Grund dafür sehen alle drei sportlounge-Gäste in der Korruption, die in Afrika sehr verbreitet ist. Otto Pfister macht zusätzlich die ungenügende Vorbereitung und die schlechten Rahmenbindungen verantwortlich: «Wenn man die Infrastruktur, die man in der Schweiz hat, eins zu eins nach Afrika versetzen könnte, hätte man schon lange einen afrikanischen Weltmeister.»