Lesung: Ein schlichtes Herz, von Gustave Flaubert

«Drei Geschichten» von 1877 ist das letzte Buch, das Gustave Flaubert zu Lebzeiten veröffentlichte. Insbesondere die darin enthaltene Erzählung «Ein schlichtes Herz» fasziniert bis heute. Es ist die Lebensgeschichte einer Magd. In einer neuen Übersetzung funkelt sie nun fast wie im Original.

Herz
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Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert (1821-1880) war ein literarischer Berserker. Für seine Texte recherchierte er wie ein Besessener. Und jedes Wort musste den «Brülltest» bestehen, «eine Art verschärften Klangtest», wie die Übersetzerin Elisabeth Edl in ihrem Nachwort zu den «Drei Geschichten» schreibt.

Flauberts Arbeitsmethode zeitigte stilistisch brillante Texte, die eine unvergleichliche Dynamik haben und gleichzeitig ultrapräzise sind. Seine Figuren pflegte Flaubert aufzuspiessen wie Insekten und sie gründlich zu erforschen. Er gestattete ihnen aber auch ein Eigenleben, ein Geheimnis. Die Geschichte der Magd Félicité in «Ein schlichtes Herz» erzählt er daher weder erbaulich noch sozialkritisch, sondern als Verbeugung vor einem Menschen, der eigenwillig bleibt in einer erbarmungslosen Welt.

Sprecherin: Susanne-Marie Wrage

Buchhinweis:
Gustave Flaubert. Drei Geschichten. Neu übersetzt von Elisabeth Edl. Hanser Verlag 2017.

Redaktion: Franziska Hirsbrunner