«#SRFglobal» vom 1.3.2018

Seit bald sieben Jahren tobt in Syrien ein grausamer Bürgerkrieg. Als einzige Region war Afrin unter kurdischer Selbstverwaltung davon verschont geblieben. Bis die türkische Armee und islamistische Milizen am 20. Januar ihren Krieg gegen Afrin eröffneten - ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Die meisten der Bilder aus dem Spital von Afrin möchte man gleich wieder vergessen. Insbesondere jene von Kindern, denen ganze Körperteile fehlen. Sie sind Opfer türkischer Luftangriffe geworden oder vom Artellierbeschuss islamistischer Gruppierungen, die Seite an Seite mit der türkischen Armee im Einsatz sind. Krieg ist immer grausam – und dieser ist es ganz besonders.

Afrin war sieben Jahre lang die einzige Region Syriens, die vom grauenhaften Bürgerkrieg und dem Terrorregime des IS verschont geblieben war. Verteidigt wurde die Region von den sogenannten «Volksverteidigunseinheiten» der YPG und den Frauenmilizen der YPJ: vereinzelte Angriffe des IS und islamistischer Rebellen schlugen sie erfolgreich zurück. Afrin ist ein bisher geglücktes multi-ethnisches und -religiöses Experiment: es zählt heute rund 400'000 Einwohner, mehrheitlich Kurden, aber auch Araber, Tscherkessen, Turkmenen, Jesiden, Roma und weitere Minderheiten. Geschätzte 200'000 Binnen-Flüchtlinge aus Syrien haben seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Afrin Unterschlupf gefunden.

Die Türkei begründet ihren Angriff auf Afrin, indem sie die YPG- und YPJ-Einheiten gleichsetzt mit der PKK in der Türkei. (Diese ist in der Türkei und der EU verboten, nicht aber in der Schweiz.) In der Tat gibt es zwischen PKK und YPG enge Verbindungen; die YPG aber ist bis zum Ausbruch des Krieges um Afrin nie auf türkischem Boden aktiv geworden.

Im Studio von #SRFglobal begrüsst Florian Inhauser den deutschen Politologen und Historiker Ismail Küpeli. Er ist Dozent an der Uni Bochum und Spezialist für die Konflikte im Nahen Osten und der Türkei; er ist auch Herausgeber des Buches «Kampf um Kobane». Zu Wort kommt auch İlhan Saygili, der Botschafter der Türkei in Bern. Die SRF-Korrespondenten schliesslich analysieren, ob es Möglichkeiten gibt, den neuen blutigen Konflikt zu beenden oder wenigstens einzudämmen.

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