Syrien: Entscheidung in Aleppo

Dank russischer und iranischer Unterstützung machen die Regierungstruppen in Syrien Geländegewinne auf Kosten von IS, Al Nusra und sogenannt «gemässigten Rebellen». In Aleppo könnte das Endspiel um die Zukunft Syriens beginnen – möglicherweise mit einem schwer verdaulichen Ausgang für den Westen.

Aleppo ist nicht nur die grösste Stadt Syriens sondern traditionell auch sein wirtschaftliches Zentrum. Die grosse Mehrheit von Aleppos Einwohnern sind Sunniten, aber religiöse Auseinandersetzungen kannte die Stadt bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs nicht. Präsident Bashar al-Assad war in Aleppo gern geduldet, solange die Geschäfte mit seiner Familie liefen. 16 Monate lang blieb die Stadt von den Kämpfen im Rest des Landes verschont und unter Kontrolle der Regierungstruppen. Der Krieg brach hier erst aus, als Rebellen aus den umliegenden Dörfern in die Stadt eindrangen.

Seit Juli 2012 ist die Stadt geteilt in einen Westteil unter Regierungskontrolle und den Ostteil unter Kontrolle der Rebellen. Bewaffnete Auseinandersetzungen aber sind alltäglich und werden beidseitig mit unvorstellbarer Brutalität geführt: unter anderem setzten die Regime-Truppen mehrfach Fassbomben gegen die Zivilbevölkerung ein. In der Provinz Aleppo sind seit dem Ausbruch der Kämpfe mehr als 26‘000 Menschen getötet worden.

Nachdem das militärische Gleichgewicht jahrelang ausgeglichen war – mit Vorteilen für die Rebellen – scheint sich das Blatt seit dem Eingreifen von Russland zugunsten von Bashar Al Assad zu wenden. Im Süden von Aleppo haben Regierungstruppen und vom Iran unterstützte Hisbollah-Kämpfer in einem einzigen Monat 400 Quadratkilometer zurück erobert und üben wieder weitgehend die Kontrolle aus. Al Monitor, eine renommierte News-Seite über den Mittleren Osten, die in Washington D.C. beheimatet ist, schreibt:

«Die Rebellen waren für Aleppo ein Disaster. Zusammen mit den Fassbomben und der rücksichtlosen Belagerung durch das Regime, ist das Leben unerträglich geworden.»

Heute gäbe es Anzeichen, dass die syrische Armee willkommen sein könnte, wenn sie Aleppo vollständig zurückerobern könnte; auch sunnitische Einwohner wünschten sich ein Ende islamistischer Rechtsprechung und bewaffneter Banden in der Stadt: «Ein Sieg der syrischen Regierung in Aleppo würden es dem Westen schwieriger machen, weiterhin jihadistische Rebellengruppierungen wie 'Zahran Alloush' oder 'Army of Islam' zu unterstützen», folgert Al Monitor. (Vollständiger Text unter «Al Monitor über die Bedeutung von Aleppo»). Und damit wäre der Weg einfacher für ein geeintes, säkulares Syrien, so wie es sich die Ländergruppe «Freunde Syriens» wünscht und es in Aleppo Tradition ist.

Florian Inhauser fragt in #SRFglobal die Korrespondenten in Beirut, Moskau und Washington D.C. sowie den Nahost-Experten und Autoren Michael Lüders in Berlin («Wer den Wind sät»):

  • Warum ist Aleppo so wichtig für den Kriegsverlauf?
  • Gibt es im syrischen Bürgerkrieg – abgesehen von den Kurden – tatsächlich nur noch islamistische Rebellen?
  • Hat der Westen aufs «falsche Pferd» gesetzt? Muss man sich arrangieren mit Assad?
  • Muss man auch mit Islamisten verhandeln?
  • Und, falls sich das Regime durchsetzt: was dann in Syrien?

#SRFglobal - am 2. Februar um 23.25 Uhr auf SRF 1 und ab 20:00 Uhr auf srf.ch

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