Shereen El-Feki: Warum Sex politisch ist

  • Sonntag, 17. April 2016, 11:00 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Sonntag, 17. April 2016, 11:00 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 18. April 2016, 0:10 Uhr, SRF info
    • Dienstag, 19. April 2016, 12:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. April 2016, 5:30 Uhr, SRF 1
    • Samstag, 23. April 2016, 8:50 Uhr, SRF 1

Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht steht einmal mehr der Machismus arabischer Männer in der Kritik. Shereen El-Feki hat über Jahre die Geschlechterverhältnisse in arabischen Ländern erforscht und sagt: Dem politischen Umdenken muss ein Umdenken in den Betten vorausgehen.

Als während des Arabischen Frühlings auf dem Kairoer Tahirplatz nicht nur die Demokratie beschworen, sondern auch Frauen vergewaltigt wurden, war das Entsetzen im Westen gross. Wie konnte das sein: Aufkeimende Demokratie auf der einen Seite, brutale Unterdrückung der Frauen auf der anderen? Mit dieser Frage im Gepäck hat sich die Immunologin und Publizistin Shereen El-Feki nach Ägypten begeben und im Gespräch mit jungen Männern, Sexarbeiterinnen, Hebammen und Ärzten Intimstes aufgetaut.

In ihrem Studium der Jungfräulichkeit, Masturbation, Verhütung und Homosexualität suchte sie nach den Wurzeln der patriarchalen Ordnung und sprach offen über neue Tabus. Denn wo heute religiös verbrämte Prüderie vorherrscht, regierte früher orientalische Sinnlichkeit.

El-Fekis Fazit: Die politische Demokratisierung kann nur erfolgreich verlaufen, wenn auch in den intimen Beziehungen eine Demokratisierung in Gang kommt. Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln müssen deshalb gesellschaftlich diskutiert werden, ohne allein auf den Islam zu fokussieren. Doch wie lässt sich das sexuelle Umdenken in arabischen Ländern befördern? Und ist die westliche Freizügigkeit wirklich so befreiend, wie viele meinen?

Buchhinweis:
Shereen El-Feki: «Sex und die Zitadelle - Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt». Hanser, Berlin/München 2013