Allegra la moda

Statt Capadüsli trägt man jetzt auch in Graubünden Baseball-Cap, statt Casagga einen Hoodie. Eine modische Spurensuche.

Moriz Erni, angehender Landwirt.
Bildlegende: Moriz Erni, angehender Landwirt.

Dem SRF-3-Stilsheriff ist aufgefallen, dass man in Graubünden einen recht unverdorbenen Blick fürs Echte hat, also für eine Kleidung, die funktioniert und durchhält, auch wenn‘s mal ein bisschen gröber zugeht. Es gibt einen robusten Kleidungsstil, zu dem das heute übliche Standardrepertoire von Jeans, Boots und Karohemd gehört. Also praktisch dasselbe, wie der Hipster in Berlin-Mitte oder im Zürcher Kreis 5 jetzt gerade gerne trägt. Was den Hipster aber vom Bergbauer unterscheidet, ist die Passform: Hipster tragen alles knalleng und eher eine Nummer zu knapp, der Bergler mag es lieber etwas weiter geschnitten und bequem.

Der Bergler kleidet sich  - wie schon zu allen Zeiten! - vor allem praktisch. Das romantische Ideal vom knorrigen Männlein in Tracht, das wir in unseren Köpfen haben, hat aber nicht mehr viel mit der Realität zu tun. Denn auch wenn die Bündner Täler gerne und gekonnt die Traditionen pflegen, so tun sie dies vielleicht im Essen und Trinken, in der Musik oder im Bauen, aber eine lokale Kleidungskultur ist nicht mehr sichtbar. Zumindest nicht unter den Jungen und Jüngeren. Zwar gibt es so kleinere Labels, welche ein bisschen auf St. Moritz Chic machen, aber das ist eigentlich eher etwas peinlich.

Im Engadin gibt es ein paar recht eindrückliche Luxusreservate mit den entsprechenden internationalen Topmarken. Diese sind aber keinesfalls die Norm und repräsentieren schon gar nicht den Stil dieser Region. Denn die, die dort einkaufen, sind ja nicht die, die dort einheimisch sind. Die gehen nämlich lieber nach Chur zum shoppen. Für viele tut‘s aber auch die Landi. Denn die Landi versorgt die landwirtschaftlich geprägte Schweiz ja nicht nur mit Kuhzäunen, Eutersalbe und Molkereibedarf, sondern auch mit Kleidung. Die Landi hat in Graubünden modisch mehr zu sagen hat als Gucci und Prada zusammen.

Allerdings gibt es, wie in vielen ländlichen Regionen, eine Bündner Trachtenvereinigung, die zumindest die Erinnerung an die Zeiten wach hält, wo jedes Tal nicht nur einen anderen Dialekt, sondern auch einen eigenen Kleidungsstil hatte. Um die ganze Vielfalt der Bündner Tracht zu sehen, muss man am Wochenende vom 15. / 16. Juni ans Schweizerische Volkstanzfest nach Chur.