American Style: Die modische Weltherrschaft

Die USA wählen ihren neuen Präsidenten Obama oder Romney. Für Amerika ist es eine Richtungswahl, die vieles beeinflussen wird ausser vielleicht die Mode, denn die verbindet in den USA über alle Grenzen hinweg.

Jeans, einst Hosen für Rinderzüchter, sind bis heute das meistverkaufte Kleidungsstück und zutiefst amerikanisch.
Bildlegende: Jeans, einst Hosen für Rinderzüchter, sind bis heute das meistverkaufte Kleidungsstück und zutiefst amerikanisch. key

Die stilistischen Unterschiede zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney haben sind, rein äusserlich, nicht der Rede wert. Laut DRS-3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen sehen beide aus wie Angestellte derselben Bank beide versuchen, einer Mehrheit gerecht zu werden und zu gefallen, und entsprechend zurückhaltend ist ihr Stil. Wenn es um die Kleidung ginge, müsste man diese teuren Präsidentenwahlen nicht veranstalten.

Was aber ungeachtet des medialen Grossereignisses ein spannendes Thema ist: Nicht nur die US-Politik, sondern auch der amerikanische Lebensstil beeinflusst uns erheblich. Casualwear, die freizeitliche und wochenend-gerechte Art von lässiger Freizeitmode, die auch bei uns mehrheitsfähig ist, ist eine Erfindung der USA. Amerikanische Mode ist casual und alltagstauglich. Sie ist eher Baumwolle und Viskose statt Seide und Cashmere. Und sie kommt aus dem Bestellkatalog, denn der Versandhandel ist eine typisch amerikanische Errungenschaft.

Made in USA
Die Amerikaner haben mit Basics grosse Marken mit weltweitem Einfluss geschaffen nicht nur Levis und Nike, sondern auch Designer Brands wie Ralph Lauren, der amerikanische Giorgio Armani!; Calvin Klein; Tommy Hilfiger, der entfernt auch Schweizer Wurzeln hat; die Früh-Feministin Donna Karan; Diane von Fürstenberg; die Klassiker Bill Blass und Oscar de la Renta oder jetzt eine neue Generation von Secondos, die jetzt am Start ist dazu gehören Alexander Wang, Jason Wu, Proenza Schouler oder Francisco Costa für Calvin Klein.

Jeans, einst Hosen für Rinderzüchter, sind bis heute das meistverkaufte Kleidungsstück und zutiefst amerikanisch. Levi Strauss hat 1886 das Logo für seine Marke gezeichnet es zeigt zwei Pferde, die eine Hose zu zerreissen versuchen. 1890 kam die 501-Hose auf den Markt, die Mutter aller Jeans. Das zweithäufigste Kleidungsstück, das T-Shirt, ist auch eine amerikanische Erfindung. Es wurde 1919 von der U.S. Navy eingeführt, als einfach geschnittenes Unterhemd für die Matrosen an Deck der Kriegsschiffe einfach als ein Hemd, universell wie ein Schraubenzieher. Das kragenlose T-Shirt ist so amerikanisch wie sonst kaum etwas.

Gefühl von Freiheit
Auch das Hoodie, ein heute gewohnheitsmässig zu jedem mitteleuropäischen Kleiderschrank gehörende Stück Garderobe, ist amerikanisch. Es wurde ursprünglich als Arbeitsbekleidung für Männer geschaffen, die in Kühlhäusern tätig waren, wo Fleisch gelagert wurde damit sie nicht an die Ohren frieren. Dann kamen die vorwiegend dunkelhäutigen Kids der Ghettos und die Gangstas, welche die Kapuzenshirts für sich reklamierten, weil man damit manchmal durchkam, wenn man jenseits des gesetzlich Erlaubten unterwegs war ...

Und schliesslich gibt es Sneakers oder Turnschuhe auch sie sind eine Erfindung der USA, so wie der BH mit Drahtbügel oder Cowboystiefel. Fazit: Ohne die Amis hätten wir kein Cowboyhemd, keine Shorts, keine Combathosen und keine Hip-hop-Klamotten. Für manche klingt das wie ein ästhetisches Paradies, aber für die meisten wäre eine solche Welt nicht denkbar, weil die Amerikaner ein Gefühl von Freiheit in die Garderobe gebracht haben. Es ist freilich nur ein Gefühl von Freiheit, denn die Gesetze der Casualwear sind so unbarmherzig wie die der britischen Klassik, die vor der modischen Weltherrschaft der Amis gegolten hat.

Autor/in: Jeroen van Rooijen