Brazilian Style

Alle Welt schaut nach Brasilien und man liest von Fussball, Samba, Caipirinha, Carneval, Bikini-Girls und allenfalls noch ein bisschen Drogen und Prostitution. Dabei ist Brasilien mehr als nur Fiesta und Rambazamba.

Mode von Carlos Miele
Bildlegende: Mode aus Brasilien von Carlos Miele. PD

Brasilien ist durchaus ein Land, das auf der Weltkarte des Stils etwas zu melden hat und auch unseren Stilsheriff interessiert.

Man stelle sich vor, man ist Brasilianer und wird tagein, tagaus als permanent Samba tanzendes Party Animal angeschaut, das mit einem eiskalten Drink in der Hand mit dem Füdli wackelt, an der Sonne im weissen Sand liegt oder Fussball spielt. Das wäre etwa so, als müsste man damit rechnen, dass jeder Schweizer ein Sennechutteli trägt und jodelnd ein Alphorn mit sich trägt.

Brasilien hat mehr zu bieten als die tropischen Klischees, die uns aus der Distanz so auffallen. Es ist ein grosses Land mit Naturschätzen, sehr vielen Menschen und einer ganz eigenen Stil-Welt. Die aus weit mehr als Tanga-Höschen und Träger-Shirts besteht. Seit den späten fünfziger Jahren manifestiert sich ein modernes, innovatives Brasilien, das im Bereich der Mode, des Designs und der Architektur eigene Akzente setzt.

Natürlich gehören Farben, Lebensfreude und Intensität immer ein Stück weit dazu. Schliesslich nimmt man in der Nähe des Äquators Farben intensiver wahr und hat darum eine ganz andere Farbigkeit als etwa in Skandinavien. Brasilien hat zudem eine opulente Vegetation, sprich: Tropenwälder und endlose Duschungel, und die findet man in den Drucken und Motiven des international erfolgreichen brasilianischen Designers Carlos Miele wieder. Er ist der international sicher bekannteste und renommierteste Designer Brasiliens.

Auch Designer Alexandre Herchkovitch nimmt die Klischees gerne auf, abstrahiert sie aber auf eine moderne Weise. Und mit Francisco Costa sorgt ein brasilianischer Creative Director dafür, die US-Marke Calvin Klein ein bisschen kosmopolitischer zu machen.

Flip-Flops bzw. Havaianas in Ehren aber es gibt Raffinierteres, das aus Brasilien kommt und an den Füssen getragen wird. Es sind die Schuhkreationen des brasilianischen Modelabels Melissa, das sehr innovativ mit Kunststoff arbeitet die grössten Designer der Welt haben für Melissa schon Entwürfe gemacht. Die Schuhe werden in über fünfzig Länder weltweit exportiert.

Osklen war einmal eine recht durchschnittliche Sportswear-Marke, bis Oskar Metsavath recht früh beschloss, Easy-Beach-Lifestyle mit High-Fashion zu mischen. Weil er dabei auch auf das Thema Nachhaltigkeit und lokale Produktion setzte, schuf er nebenbei die erste moderne und cool aussehende Öko-Mode-Marke, die heute international verkauft wird. 

Und wer ein original brasilianisches Bikini sucht, der kauft eines von Rosa Cha, der renommiertesten Bademode-Marke Brasiliens. Dazu trägt man dann Schmuck von H.Stern aus Ipanema, die seit Jahrzehnten sehr erfolgreich bunte brasilianische Schmucksteine zu High Jewellery machen. 

Im Bereich Design führt kein Weg an Fernando und Humberto Campana alias The Campana Brothers vorbei, die da moderne Bild von Brasilien mit prägen und die Welt der Möbel mit ihrem bunten, oft von Recycling-Kunst und der Strassenkunst in Sao Paolo inspirierten Entwürfen ein entscheidendes Stück lockerer gemacht haben.

Und last but not least, nicht zu vergessen: Die tolle Architektur von Oscar Niemeyer, die zwar schon Ende der fünfziger Jahre entstand, aber heute so modern ist wie damals. Seine Bauten für die Hauptstadt Brasilia waren bahnbrechend und zeigten der Welt schon vor sechzig Jahren, dass Brasilien kein flächendeckender Urwald voller Eingeborener mehr ist.

Autor/in: Jeroen van Rooijen, Redaktion: Jeroen van Rooijen