Camouflage - vom Schlachtfeld auf den Laufsteg

Vor hundert Jahren tauchten im Ersten Weltkrieg erstmals Camouflage-Muster auf, zu Deutsch: Tarnanzüge. Heute ist der Stoff auch aus der High Fashion nicht mehr wegzudenken.

Camouflage an der New York Fashion Week.
Bildlegende: Camouflage an der New York Fashion Week. Keystone


Wenn der SRF-3-Stilsheriff mit einer besonders auffälligen Jacke im Camouflage-Muster im Studio sitzt, so braucht er eine dicke Haut. Denn viele Menschen assoziieren mit dem Muster ganz unmissverständlich das Militär.  Allerdings ist das Camo-Muster ja schon lange nicht mehr nur im Militär zu finden.

Als bedruckten Stoff gibt es Camouflage-Muster seit dem ersten Weltkrieg. Es waren die Franzosen, die den Stoff entwickelten. Zumindest kurzfristig hatten sie damit einen Vorteil im Gelände. Andere Länder haben das dann schnell abgeschaut, und so wurde es zum globalen Standard für Kampftruppen. Die deutschen haben den so genannten «Flecktarn» dann später in alle Richtungen weiterentwickelt.

Maskenbälle mit Tarn-Kostümen

Relativ bald, nachdem die Franzosen um 1915 die ersten Camo-Stoffe auf den Schlachtfeldern im Einsatz hatten, gab es in Paris schon Maskenbälle, bei dem der Stoff von Couturiers zu Kostümen verarbeitet wurde. So richtig in Mode kamen die Camouflage-Muster aber erst mit der Friedensbewegung der 60er-Jahre, welche sich der militärischen Motive bemächtigte und sie umzudeuten versuchte.

 Zu den Marken oder Designern, welche das Thema früh aufgriffen, gehörten in den Seventies Marimekko aus Finnland oder der Franzose Jean-Charles de Castelbajac, später dann, inspiriert von Andy Warhol, der das Muster auch wiederholt malte, auch 80's-Designer wie Stephen Sprouse oder Franco Moschino. Mit John Galliano bekam das Muster dann in den 90's bei Dior den Adelsschlag der Haute Couture.

Heute: Pink und Knallrot

Heute gibt es tausende von Varianten von Camouflage, und die spannendsten sind eigentlich gar keine Tarnmuster mehr, sondern bewirken im zivilen Einsatz eben genau das Gegenteil: sie fallen auf. Es gibt inzwischen Camouflage-Muster, die Tierherden darstellen, Varianten in Pink und Knallrot, und das Londoner Schuhlabel Jimmy Choo hat sogar ein «Porno-Camo» im Angebot, dessen Flecken beim genauen Hinschauen kopulierende Menschenfiguren zeigen.

 

 

Autor/in: Jeroen van Rooijen