Die Italiener – Weltmeister im Sich-anziehen

«Far bella figura»: Der italienische Nationalsport ist das Gut-aussehen. Kein anderes Volk in Europa zieht sich so souverän gut an wie die Italiener. Was ist da dran?

Trägt Designer-Anzüge von Dolce & Gabbana: Die italienische Fussball-Nationalmannschaft.
Bildlegende: Trägt Designer-Anzüge von Dolce & Gabbana: Die italienische Fussball-Nationalmannschaft. PD

Ein Italiener weiss in aller Regel, was ihm steht und seinem Alter gerecht wird. Männer, die sich mit fünfzig noch wie Teenager anziehen, sieht man in Italien weitaus seltener als diesseits der Alpen. «Far bella figura» bedeutet, sich geschmackvoll anzuziehen, sich zu pflegen und anderen nicht auf die Nerven zu gehen. Gut aussehen ist ein Zeichen des gegenseitigen Respekts.

Männer: Schnürschuhe ohne Socken

Gerade bei den Männern ist es auffallend, wie viel Wert auf einen guten Schnitt des Jacketts, die knackige Hosenlänge, den gut geputzten Schuh und den feschen Hemdkragen gelegt wird. Die Älteren haben es ganz natürlich intus. Der Italiener sieht im Hemd, Jackett und Schnürschuhen (ohne Socken!) entspannt gut aus.

Jungs: Krawatte und Sonnenbrille

Aber auch unter jungen Männern, wie sie an der Pitti Uomo in Florenz jetzt zu sehen sind, ist das Sich-anziehen ein beliebter Sport. Da werden mit Hingabe Krawatten geknotet, Pochettli arrangiert und Hosensäume auf genau die richtige Länge über dem Knöchel hoch gerollt. Die Sonnenbrille gehört auch unbedingt dazu!

Frauen: Kurven und Absätze

Auch die Frauen verstehen etwas von «Eleganza», allerdings neigen sie aufgrund der jahrelangen Berieselung durch das debile italienische Trash-Fernsehen ein wenig dazu, sich aufzutakeln und ihre Kurven übermässig zur Schau zu stellen. Da sind die Französinnen oft raffinierter als die Italienerinnen, die in der Tendenz immer etwas zu hohe Absätze am hellichten Tag tragen.

Alle machen mit

In der Summe übertreffen uns die Italiener aber noch immer spielend. Und im Gegensatz zu unserer spröden Verzicht-Kultur ist Gut-aussehen in Italien nicht etwas, was sich auf die Mehr-besseren oder oberen 10'000 beschränkt, nein: Es macht auch ein einfacher Arbeitersohn mit in dem eitlen Wettbewerb, und wenn er sich die grossen Marken nicht leisten kann, kommt ihm die günstige Mode der grossen Ketten entgegen.

An einem Dienstagmittag in Florenz

Autor/in: Jeroen van Rooijen